Musiala ist seit seiner Verletzung nicht mehr der Alte.
Auf Topstar Wirtz lagen große Hoffnungen. © KRZACZYNSKI/imago (2)
Foxborough – Das deutsche Aus hallt nach. Neben den Diskussionen um Trainer Julian Nagelsmann steht dabei auch die Mannschaft im Fokus – und die Frage, wie gut die einzelnen Spieler tatsächlich sind.
Bislang war man sich in Fußballdeutschland einig, dass der Kader vielleicht nicht ganz so stark ist wie der von den absoluten Topfavoriten Frankreich oder England. Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Startelf jedoch bei internationalen Topclubs spielt, ging auch der DFB davon aus, genug Qualität für ein besseres Abschneiden zu haben. Mit Neuer, Tah, Kimmich, Pavlovic und Musiala standen schließlich allein fünf Spieler des FC Bayern in der ersten Elf, dazu kamen mit Wirtz (Liverpool) oder Havertz (Arsenal) zwei Topstars aus der Premier League. Nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen den Fußballzwerg Paraguay scheint es aber, als ob sich im deutschen Kader deutlich mehr Mittelklasse statt Weltklasse verbirgt.
„Es müssen so viele Dinge angeschoben werden. Nur dafür ist vielleicht jetzt die Situation genau die richtige“, stellte daher auch Magenta-Experte und Bundestrainer-Kandidat Jürgen Klopp fest, weshalb seiner Meinung nach die Zielsetzung des Verbands für die kommenden Turniere nach unten korrigiert werden muss. „Wenn der nächste Bundestrainer – wer auch immer Bundestrainer ist – kommt, und nach der Zielsetzung gefragt wird und nicht ‚Europameister‘ sagt, dann sagen alle: keine Ambitionen, oder was? Wir sind Deutschland!“ Das hält Klopp für falsch: „Nein, wir waren Fußballdeutschland. Um wieder Fußballdeutschland zu werden, müssen wir richtig ran an die Nummer. Julian Nagelsmann hatte Recht: Die Mannschaft wollte, sie konnte aber in einzelnen Bereichen nicht. Jetzt müssen wir fragen, woran das liegt.“
Darauf muss Julian Nagelsmann – zumindest falls er Bundestrainer bleibt – Antworten finden. Auf der Pressekonferenz nach Abpfiff zog auch er ein ernüchterndes Fazit: „Ich will nicht mehr von Anspruch reden, weil wir haben seit zwölf Jahren gar nichts gerissen!“, so Nagelsmann. „Es wäre vermessen, nach dem dritten Ausscheiden zu sagen, dass wir noch zur Weltspitze gehören. Das tun wir einfach nicht.“
Der DFB muss schleunigst herausfinden, wie er dort wieder hinkommt.V. TSCHIRPKE, M. BONKE