Trump-Kuschelkurs: Infantino im Visier

von Redaktion

Kumpels: Donald Trump (l.) und Gianni Infantino. © Carlson/dpa

New York – Gianni Infantino machte seinem Ruf als unermüdlicher Vielflieger auch an WM-Tag 19 alle Ehre. In Houston flachste der FIFA-Boss erst im brasilianischen Freudentaumel mit Ronaldinho herum, keine sechs Stunden später nahm er im mexikanischen Monterrey seinen Ehrenplatz auf der Tribüne ein – dem Privatjet sei Dank.

Doch während sich Infantino am Montag einmal mehr allerorts feiern ließ, flatterte bei der FIFA ein brisantes Schreiben herein, das den Druck auf ihn deutlich erhöht. Hinter den Kulissen der Mega-WM braut sich etwas zusammen. 50 EU-Abgeordnete fordern eine Prüfung der Beschwerde bei der FIFA-Ethikkommission, die sich Infantino durch die unterwürfigen Schmeicheleien für Donald Trump eingehandelt hat.

Die Beschwerde, die von der Organisation FairSquare im Dezember eingereicht wurde, biete der FIFA „die Gelegenheit, ihr Bekenntnis zu politischer Neutralität, Transparenz und Verantwortlichkeit unter Beweis zu stellen“, hieß es in dem Brief an den Weltverband.

Gefordert wird unter anderem, dass die erstmalige Vergabe eines „Friedenspreises“, der ohne Rücksprache mit dem FIFA-Council um den DFB-Chef Bernd Neuendorf im Dezember an US-Präsident Trump verliehen worden war, „umfassend untersucht“ werde. Norwegen drückte bisher als einziger Verband seine Unterstützung dafür aus. Neuendorf dagegen verteidigte mehrmals die Vergabe des FIFA-Preises.

Der Vorstoß der EU-Abgeordneten sei „ein äußerst bedeutender politischer Eingriff“ und habe das Potenzial, Infantino „erheblich unter Druck zu setzen“, sagte FairSquare-Direktor Nicholas McGeehan: Dass Politiker „sein Handeln genauer unter die Lupe nehmen, stellt ein ernsthaftes Problem für Infantino und die FIFA dar“. Welche Folgen die Forderung aus dem Europäischen Parlament hat, ist unklar.

Laut McGeehan bestätigte die FIFA-Ethikkommission den Eingang der Beschwerde, der aktuelle Stand ist jedoch offen. Ihm sei mitgeteilt worden, „dass sie nicht verpflichtet seien, uns über den Fortschritt zu informieren“, sagte er vor dem WM-Start. FairSquare verweist auf Artikel 15 der FIFA-Ethikregularien. Die Bestimmung verlangt, dass alle FIFA-Funktionäre gegenüber Behörden, Organisationen und politischen Gruppierungen „politisch neutral bleiben“. Das sieht bei Infantino anders aus …

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