Übernimmt Klopp beim DFB?

von Redaktion

Nagelsmann wackelt – Watzke könnte Strippenzieher sein

Planspiele: Wollen Neuendorf (links) und Watzke Klopp? © Charisius/Weller/ Rickett/dpa, Imago

Bedient: Nagelsmann bei der Ankunft in Winston-Salem (oben). Links TV-Experte Klopp.

Foxborough – Bundestrainer Julian Nagelsmann erlebt man nur selten sprachlos. In der Kabine nach dem WM-Aus im Elfmeterschießen gegen Paraguay war solch ein Moment. „Julian hat nicht viel gesagt. In der Kabine herrschte komplett Stille, alle waren geschockt“, berichtete Nadiem Amiri.

Kurze Zeit später auf der Pressekonferenz hatte der 38-Jährige seine Stimme wiedergefunden. Es dauerte nicht lange, bis der Bundestrainer gefragt wurde, ob er aus der nächsten Turnier-Blamage persönliche Konsequenzen ziehen werde. „Ich bin keiner, der wegläuft“, stellte er klar und schob hinterher: „Ich stehe bereit, wenn der DFB das möchte.“ Darum geht es nun in den folgenden Tagen. Was Lothar Matthäus von Nagelsmann hält, gab er dem DFB via RTL/ntv mit auf den Weg: „Ich bin der Meinung, dass Nagelsmann es, wenn von außen eine Meinung gesagt wird, aus Prinzip anders macht.“ Dabei ändere nur „ein dummer Mensch“ seine Meinung nicht.

Harte Worte, sie klingen anders als jene von Sportdirektor Rudi Völler, der „immer noch überzeugt davon“ ist, „dass er der Richtige ist“. Allerdings hat Völler nicht das letzte Wort – auch Präsident Bernd Neuendorf und Geschäftsführer Andreas Rettig sind vollumfänglich in die Entscheidung involviert.

Besagte Personen saßen in der Nacht nach der Blamage noch lange zusammen. „Wir sind uns einig, dass das Abschneiden bei der WM nicht unseren Ansprüchen genügt“, unterstrich Neuendorf und stellte klar: „Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Der Nagelsmann-Rauswurf ist nur noch eine Frage der Zeit.

Zumal auch Hans-Joachim Watzke in seiner Funktion als DFB-Vizepräsident und Strippenzieher in diese Entscheidung involviert ist. Watzke könnte das Zünglein an der Waage sein, sollte der DFB bei Jürgen Klopp tatsächlich ernst machen. Beide verbindet eine tiefe Freundschaft, „Kloppo“ ist für „Aki“ immer noch die Idealvorstellung eines Trainers. Anders als bei den vorherigen Abwerbeversuchen in den Jahren 2021 und 2023 ist der Fußballlehrer aktuell ohne Job an der Seitenlinie und arbeitet bekanntlich als „Head of Soccer“ von Red Bull am Schreibtisch. Wenn jemand jetzt Drähte erfolgreich legen könnte, dann Watzke.

Der ehemalige Erfolgscoach gab sich bei der K-Frage noch zurückhaltend: „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment. Es ist kein Tag, wo ich über die Personalie Jürgen Klopp nachdenke.“ Der DFB wäre für den 59-Jährigen übrigens keine gänzlich Unbekannte. Klopp war Mitinitiator der Gründung einer U 21-Liga. Er kennt ein solches Modell aus seiner Zeit in England und hatte es in Deutschland mehrfach empfohlen. Klopp weiß um die verstaubten Verbandsstrukturen und hat sie im Hintergrund bereits etwas aufgerissen. Das registriert auch Noch-Bundestrainer Nagelsmann.M. BONKE, V. TSCHIRPKE

Artikel 1 von 11