KOMMENTAR

Der Präsident, der sich wegduckt

von Redaktion

Problem-Personalie Bernd Neuendorf

Es gab Zeiten beim DFB, da hat man sich am nächsten Morgen, nachdem ein Turnier unerfreulich zu Ende gegangen war, hingesetzt. Hat Rede und Antwort gestanden. Da muss nicht zwangsläufig der Trainer Buße tun. Es gibt Leute, die das große Ganze zu verantworten haben: Präsident, Sportdirektor, Geschäftsführer. 2026 hat sich der DFB von der WM einfach weggeschlichen. Bernd Neuendorf, der oberste Mann im Verband, hat „ein Statement herausgegeben“.

Typisch. Bernd Neuendorf ist ein Präsident, der sich wegduckt wie keiner seiner Vorgänger. Einer, der die Chance nicht wahrnimmt, die ihm das Leben bietet. Er hat profitiert von den verfahrenen Machtverhältnissen im deutschen Fußball, er war unbekannt, als er DFB-Präsident wurde.

Was er beim DFB geschafft hat: den Verband intern zu befrieden, die Finanzen zu ordnen. Doch Neuendorf hat sich diesen Zielen so sehr untergeordnet, dass alles andere auf der Strecke geblieben ist, wofür der Präsident eines sehr großen Sportverbands stehen sollte. Wer über sieben Millionen Mitglieder in den Vereinen repräsentiert, darf nicht einfach schweigen zu der Politik, die Gianni Infantino an der Spitze der Fifa betreibt. Er hat einem zum Glück kritischen DFB-Vizepräsidenten Oke Göttlich nicht gebieterisch übers Maul zu fahren, wenn dieser eine Diskussion über den Umgang mit den USA als Gastgeber der Weltmeisterschaft für legitim hält. Er hätte auch nicht einfach nur mitklatschen dürfen, als die WM 2034 per Akklamationsverfahren an Saudi-Arabien vergeben wurde.

Man könnte Bernd Neuendorfs Amtsführung als pragmatisch verstehen. Motto: Warum sich auflehnen, wenn Widerstand nicht zielführend ist und man eh nichts ändern kann (und der Job im FIFA-Rat bestens dotiert ist)? Aber ein Präsident, der immer im Ungefähren bleibt, nicht zu greifen ist und offensichtlich auch andere daran hindert, sich zu äußern, ist schlicht nicht das, was der DFB braucht.

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