Eine Niederlage zum Genießen

von Redaktion

Comeback von Serena Williams ohne Krönung – und trotzdem spürte jeder die Aura

Party-Crasherin: Maya Joint. © Nicholls/AFP

Niederlage? Egal! Vom Publikum gab es Standing Ovation. © Akmen/EPA

Comeback an der Church Road: Serena Williams zeigte ihren „legendären Kampfgeist“, am Ende reichte es nicht. © Akmen/EPA

London – Als Superstar Serena Williams nach ihrer Rückkehr aus dem Tennis-Ruhestand den Centre Court von Wimbledon verließ, lächelte sie. Dieses Spiel wird in keinen Rekordlisten auftauchen, die einstige Nummer eins und Dominatorin der Tennis-Welt wird nach ihrer Erstrunden-Niederlage nicht um den Titel mitspielen. Das bemerkenswerte Comeback mit 44 Jahren, nach fast vier Jahren Pause und als Mutter zweier Töchter, ist dennoch denkwürdig.

„Ich habe es auf jeden Fall genossen, habe es vermisst und diesen Moment mehr als alles andere genossen“, lautete Williams‘ Fazit, nachdem sie in drei Sätzen mit 3:6, 7:6 (8:6), 3:6 gegen die Australierin Maya Joint (20) verloren hatte. „Es war wirklich großartig, wieder in Wimbledon zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier sein würde“, sagte sie.

Im Verlauf der Woche wird die 23-malige Grand-Slam-Turniersiegerin mit ihrer Schwester Venus Williams beim nächsten viel beachteten Auftritt im Doppel-Wettbewerb die Zuschauermassen faszinieren.

Williams‘ Rückkehr löste einen Hype aus. Als am Dienstagabend das erste Einzel der Ausnahmesportlerin seit dem Drittrunden-Aus bei den US Open 2022 anstand, setzte der Jubel bereits ein, bevor sie auf den Platz kam. Als Williams dann den Centre Court betrat, wurde es noch lauter. Ihr Ehemann Alexis Ohanian, ihre ältere Tochter Olympia (8) und auch die jüngere Adira (2) beobachteten den Moment auf der Tribüne.

„Die Atmosphäre war unglaublich. Das Einlaufen war ein unglaubliches Erlebnis“, sagte Williams. In ihrer Karriere zählten Siege und Titel. Mit 23 Grand-Slam-Trophäen hatte sie ihre Sammlung gefüllt und war dem 24. Titel hinterhergerannt, um mit der Australierin Margaret Court gleichzuziehen.

Diesmal wollte die mit Abstand älteste Einzel-Teilnehmerin Spaß haben. Dass ihr das Ergebnis nicht egal gewesen sein dürfte, zeigte sich beim Handschlag ohne nette Worte für ihre Gegnerin Joint.

Als ihre Erstrundenpartie beim prestigeträchtigen Rasen-Grand-Slam-Turnier in zwei Sätzen zu enden drohte, stemmte sich Williams gegen die Niederlage und wehrte nervenstark einen Matchball ab. Dass die 24 Jahre jüngere Joint im entscheidenden dritten Satz ihre Fitnessvorteile ausspielen konnte, war angesichts des Altersunterschieds wenig überraschend. Als Joint 2006 geboren wurde, hatte Williams bereits sieben Grand-Slam-Titel gefeiert.

Prime-Expertin Andrea Petkovic urteilte über die Rückkehrerin: „Ich wusste, dass sie gut in Schuss ist. Trotzdem, wenn du vier Jahre kein Match spielst, ist das eine andere Hausnummer. Dafür hat sie eine gute Leistung gezeigt“, sagte die frühere Top-Ten-Spielerin. „Die Big Points muss man viel gespielt haben, das war natürlich noch nicht da.“

Williams‘ Gegnerin Joint konnte das einst gefürchtete Tempo in den Ballwechseln jederzeit mitgehen. „Ich habe in der letzten Nacht nicht viel geschlafen. Ich war bis 2.00 Uhr wach und habe darüber nachgedacht“, berichtete die Australierin. „Sie hat so eine Aura, sie ist so eine Legende. Ich weiß nicht, was gerade passiert ist.“ Gegen diese „Legende“ gewann sie erstmals ein Match in Wimbledon.

Das Comeback von Williams könnte hingegen schneller beendet sein als erhofft. Beim Erstrundenaus zog sie sich eine leichte Verletzung am Knie zu, der Start im Doppel mit Schwester Venus ist daher in Gefahr. „Sie konnte das Gelände am Dienstagabend ohne Hilfe verlassen und tut alles, um später in der Woche für das Doppel bereit zu sein“, sagte ihre Agentin Jill Smoller. Das Publikum wird hoffen.DPA

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