Aleksandar Pavlović (li.) und Jamal Musiala waren ebenfalls im Flieger. © Gambarini/dpa
Klopp (li.) gilt als Bundestrainer-Kandidat, Hummels brachte auch Guardiola ins Spiel. © Super/dpa
Mit einem Airbus A350-900 (u.) flog Julian Nagelsmann aus Charlotte zurück nach München. © Woitas/dpa
Charlotte/München – Als Julian Nagelsmann in rosa Sneakern seinen Rollkoffer durch den Flughafen von Charlotte schob, wurde ihm das ganze Ausmaß des deutschen Fußball-Dramas noch einmal schmerzlich vor Augen geführt. Auf den Bildschirmen der Airport-Bars zauberten Kylian Mbappé und Michael Olise gerade für Frankreich, diese große Glitzermannschaft, die der Bundestrainer eigentlich im Achtelfinale fordern wollte. Stattdessen flog Nagelsmann geschlagen nach Hause.
In München landete er am Mittwochmorgen um 9.33 Uhr und ging offensichtlich mit erstaunlich guter Laune in eine ungewisse Zukunft. Doch: Ist sie wirklich so ungewiss? Seit DFB-Präsident Bernd Neuendorf vor dem inzwischen geräumten WM-Camp von Winston-Salem sprach, wirkt es, als kreise der Hammer des „Richters“ und müsse nur noch herniedersausen. Nagelsmann ist ein Bundestrainer auf Abruf – laut Sky steht der große Potenzial-Optimierer Jürgen Klopp als Nachfolger bereit, sofern der Deutsche Fußball-Bund ihn will.
Auch Ex-Weltmeister Mats Hummels favorisiert seinen früheren Dortmund-Trainer, bringt bei MagentaTV aber auch Pep Guardiola ins Spiel: „Ich glaube, dass sowohl Pep Guardiola als auch Jürgen Klopp überall hinpassen – jede Vereinsmannschaft, jede Nationalmannschaft. Deswegen könnte ich mir beide sehr gut vorstellen.“
Nagelsmann, der in München mit seiner Ehefrau Lena und seiner Mutter ausstieg, dürfte nicht mehr zu halten sein. Zu sehr kocht die deutsche Fußball-Seele, zu vernichtend ist das Urteil der Experten. „Es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern“, sagte Hummels. Auch für Philipp Lahm „trägt natürlich der Bundestrainer die Verantwortung“ für das Aus, sagte der Weltmeister-Kapitän von 2014 in einem Gastbeitrag für den „Kicker“. Der 42-Jährige erkennt keine Entwicklung. „Jetzt zu den Top 32 der Welt zu zählen, kann nicht unser Anspruch sein. Deswegen muss er hinterfragt werden.“
Die Frage ist wohl weniger, ob die Wege sich trennen – sondern eher, wann und wie. Nagelsmann besitzt einen Vertrag bis einschließlich der EM 2028, er soll etwa sieben Millionen Euro jährlich verdienen. Grundlage für Abfindungsverhandlungen wäre demnach ein Restvertragswert von 14 Millionen. Details sind nicht offiziell bekannt, aber angeblich gab es eine sogenannte Reißleinenklausel: für den Fall eines Scheiterns in der Vorrunde. Ob auch mitgedacht wurde, dass, wie am Montag gegen Paraguay gesehen, ein Sechzehntelfinal-Aus ähnlich blamabel sein kann? Offen.
Dabei spielen die Finanzen eine nicht unwesentliche Rolle, auch wenn sich durch den Nike-Deal (kolportiert 100 Millionen pro Jahr) vieles entspannt hat beim einst so klammen Verband. Auch für Klopp, der aktuell noch Fußball-Chef des Red-Bull-Imperiums ist, müsste ein Paket geschnürt werden, das sicherlich nördlich des Nagelsmann-Vertrages anzusiedeln ist.