„Barcelona? Das war mein Tag“

von Redaktion

Thor Hushovd über die Tour in Spanien – und warum er heute vielleicht noch besser wäre

Rückkehr als Teamchef: Thor Hushovd. © IMAGO

München – Er war der große Sieger beim letzten Stopp der Tour in Barcelona. Sogar der Berg Montjuic konnte Thor Hushovd nicht stoppen. Jetzt kehrt der 48-Jährige als Chef des norwegischen Uno-X-Teams an die Städte des großen Triumphs zurück.

Herr Hushovd, die Tour de France startet in Barcelona. Das dürfte Erinnerungen wecken …

Natürlich. Großartige Erinnerungen. Dieser Sieg 2009 in Barcelona war etwas Besonderes – es war ein harter Sprint, ein spektakulärer Tag. Barcelona ist eine wunderschöne Stadt und Siege bei der Tour bleiben immer hängen. Ich freue mich sehr darauf, jetzt zurückzukehren.

Es war damals ein ungemütlicher Tag. Regen, schmierige Straßen, ein nervöses Feld. Waren das Hushovd-Bedingungen?

Irgendwie schon. Ich kann bis heute nicht genau sagen, warum, aber bei solchen Bedingungen habe ich oft meine besten Leistungen gebracht. Ich wusse auch damals in Barcelona, dass es ein Vorteil für mich sein konnte. Aber einfach war es nicht. David Millar lag vorne, er kannte die Straßen. Ich habe meinem Team gesagt: „Heute ist meine Chance, wir müssen das kontrollieren.“ Am Ende haben wir ihn zurückgeholt.

Kurz vor dem Ziel mussten Sie noch auf Barcelonas Hausberg Montjuic. Für einen großen, schweren Sprinter eigentlich keine guten Voraussetzungen, oder?

Nein, das war wirklich am Limit (lacht). Es war ein Kampf, über diesen Anstieg zu kommen. Aber ich hatte einen sehr guten Tag, war stark – und am Ende hat es gereicht.

Diesmal erlebt Barcelona ein Teamzeitfahren. Ein interessanter Auftakt?

Es ist vor allem ein stressiger Tag. Alle Fahrer müssen gleichzeitig bereit sein, jeder muss seine Leistung bringen. Da liegt viel Druck auf dem gesamten Team. Für uns geht es darum, dafür zu sorgen, dass Tobias Johannessen im Gesamtklassement nicht zu viel Zeit auf die Favoriten verliert.

Im Vergleich zu früheren Teamzeitfahren wurden die Regeln geändert. Es zählt nicht mehr die Zeit des vierten Fahrers – jeder Fahrer bekommt seine eigene Zeit. Was verändert das?

Ich denke, es kann helfen, die Abstände etwas kleiner zu halten. Gerade weil es am Ende bergauf geht. Früher musste der beste Klassementfahrer vielleicht auf den vierten Mann warten und hat viel Zeit verloren. Das ist jetzt anders. ich finde das ok.

Mal allgemein gesprochen: Was hat sich im Radsport seit ihrer aktiven Zeit verändert?

Ganz stark die Ernährung. Und der intensive Blick auf so viele Details: Wie bereitet man sich am besten vor? Was ist die beste Position auf dem Rad? Viele kleine Dinge. Nicht zu vergessen natürlich die Budgets. Wenn Teams heute einfach mehr Geld haben, können sie in viele Bereiche investieren und Spezialisten holen.

Das klingt nach einem sehr wissenschaftlichen Sport, in dem nichts dem Zufall überlassen wird. Ist noch Platz für Instinkt, wie Sie ihn hatten?

Auf jeden Fall. Schauen Sie sich die Formel 1 an: Dort gibt es unglaubliche Budgets und trotzdem geht es am Ende noch um Entscheidungen und Taktik. Du kannst dich perfekt vorbereiten und alles messen. Aber wenn der Moment kommt, brauchst du weiterhin Instinkt. Als Fahrer genauso wie als Sportlicher Leiter.

Würde der Instinktfahrer Thor Hushovd also auch in den heutigen Radsport passen?

Ich glaube sogar, dass ich noch stärker sein könnte. Eine meiner Schwächen war: Ich war ein großer, schwerer Fahrer und habe das Thema Ernährung nie komplett verstanden. Heute wissen die Fahrer so viel darüber. Wenn ich dieses Wissen gehabt hätte, hätte ich vielleicht noch einmal zehn Prozent mehr aus mir herausholen können.

Gibt es heute Fahrer, in denen Sie sich wieder erkennen?

Wenn man ein Gewinner war, sieht man sich natürlich gerne in den guten Fahrern wieder (lacht). Wout van Aert. Er kann klettern, er attackiert, er gewinnt verschiedene Arten von Rennen. Als ich jung war, konnte ich auch klettern. Fahrer wie Wout und ich können auch Paris – Roubaix gewinnen. Ich war Zweiter und Dritter.

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

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