Aktuell senden die USA Hochglanzbilder um die Welt: jubelnde Fans, packende Spiele, volle Stadien. Und es stimmt: Zwar gibt es berechtigte Kritik an der Preisgestaltung der FIFA, an den Spieltagen ist das Event selbst aber bis ins kleinste Detail durchorganisiert, und man fühlt sich als Fan und Reporter sicher. Wie schnell man aber in eine brenzlige Situation kommen kann, bewies der Montagabend in Boston: Mein Kollege Manuel Bonke und ich hatten nach der deutschen Niederlage gegen Paraguay logischerweise allerhand zu tun und wollten uns vor der anstehenden Nachtschicht mit ein paar Tacos stärken, bevor es an die Nachberichterstattung ging. Weil bei einem Taco-Laden („El Jefe‘s Taqueria“) die Schlange zunächst zu lang war, gingen wir in Richtung eines anderen Imbisses. Auf halbem Weg drehten wir jedoch wieder um, weil der ursprüngliche Laden immerhin die Partie zwischen Marokko und den Niederlanden übertrug, die wir beim Warten schauen wollten. Ein paar Tage später erfuhren wir: Genau vor dem anderen Imbiss („Maria‘s Taqueria“), zu dem wir fast gegangen wären, gab es nur wenige Minuten später eine Schießerei, bei der drei Menschen schwer verletzt wurden. Wir haben – obwohl nur etwa 50 Meter entfernt – davon erst etwas mitbekommen, als wir auf dem Rückweg das Flatterband der Polizei sahen. Wenn Sie sich näher über die Umstände informieren wollen, müssen Sie nur „Triple Shooting Boston Theater District“ googeln. Daher gibt es in der heutigen Ausgabe dieses Tagebuchs keine Pointe und nichts Humoristisches, sondern lediglich die Hoffnung, dass es allen Verletzten möglichst schnell besser geht und sie keine bleibenden Schäden davontragen.