Atemmessung: Kristian Blummenfelt hat weltweit den höchsten VO₂max-Wert. © Instagram/Blummenfelt
Familien-Trio: Alice, Felix und Kathrin stemmen mit ihrem Team den mittlerweile größten Triathlon. © Privat
Roth/München – Ein riesiges Herz für den Triathlon haben beide – Alice Walchshöfer (74) und Kristian Blummenfelt. Doch während die Grand Dame der Challenge Roth wegen eines angeborenen Herzfehlers keinen intensiven Sport betreiben darf, hat der Norweger, der am Sonntag (5. Juli) erstmals in Franken startet, perfekte physiologische Voraussetzungen.
Der 32-Jährige hat den höchsten VO₂max-Wert (101,1 ml/kg/min), der jemals unter Laborbedingungen gemessen wurde. Das bedeutet: Sein Herz und sein außergewöhnliches Lungenvolumen ermöglichen es Blummenfelt, eine enorme Menge Blut und Sauerstoff pro Herzschlag durch seinen Körper zu pumpen. Nicht nur deshalb ist der Branchenprimus bei seinem Roth-Debüt der Topfavorit unter vielen Superstars. „Wir haben das beste Teilnehmerfeld aller Zeiten“, jubelt Race-CEO Felix Walchshöfer, der mit seiner Familie seit 2002 den mittlerweile größten Triathlon der Welt (4000 Starter, 300.000 Zuschauer) organisiert.
Der 45-Jährige verspricht nicht zu viel. Ein kleiner Auszug aus der Männerstartliste: Sam Laidlow (27, Titelverteidiger), Patrick Lange (39, Sieger 2021), Jonas Schomburg (32, Vorjahres-Zweiter), Rico Bogen (25, Ironman 70.3-Weltmeister) und Lokalmatador Frederic Funk (28, München). „Ich komme, um zu gewinnen“, sagt Blummenfelt, „aber ich weiß, dass es ein harter Kampf wird“.
Dass ausgerechnet der Mann mit dem Superherz zu den Walchshöfers kommt, hat eine spezielle Note, denn die Familie hat eine genetisch vererbte Kardiomyopathie. Kurz: Herzschwäche. Alice Walchshöfer musste 2013 deshalb am offenen Herzen operiert werden, 2025 wurde ihr ein Defibrillator eingesetzt. „Aber die Energie für die Challenge habe ich immer“, sagt die selbst ernannte „Queen Mum“. Auch in den vergangenen Monaten war sie viermal in der Woche im Büro und steckte gemeinsam mit ihrem Team viel Herzblut in die Organisation. 15 Monate Vorbereitung für nur einen Tag!
Schon Alices Mutter hatte Herzprobleme, auch ihre Tochter Kathrin (43) ist betroffen. „Als Veranstalterin des größten Triathlon-Events der Welt hatte ich oft das Gefühl, dass eine Herzkrankheit nicht zu dem Bild passt, das viele von mir oder meinem sportlichen Umfeld haben“, erklärt die Junior-Chefin. Ihr Bruder Felix blieb verschont. Er übernahm zusammen mit Alice die Leitung, nachdem bei Papa Herbert Walchshöfer 2002 kurz nach der ersten Pressekonferenz eine Lungenfibrose diagnostiziert wurde. Der Gründer der Challenge Roth starb fünf Jahre später, trotz einer zwischenzeitlichen Lungentransplantation (2005), im Alter von 58 Jahren. Auch deshalb ist die Rennwoche für die Familie immer sehr „emotional“.
Was als kleine Veranstaltung und mit Geldproblemen begann, ist heute eine fast märchenhafte Erfolgsgeschichte. Während im Anfangsjahr pro Tag teilweise nur zwei bis drei Anmeldungen per Post eintrudelten, versuchten in diesem Jahr 30.000 Menschen, einen der 3000 Plätze, die online vergeben werden, zu ergattern. Viele Hunderte campieren zudem jährlich nach Rennschluss die ganze Nacht für eines der heiß begehrten Tickets.
Mit Blummenfelt, schon als Zuschauer zu Gast, hatte man auch die vergangenen Jahre Kontakt. Dieses Mal passt Roth in seine Planung. Nach den Streckenrekorden in Frankfurt und Texas rückt auch die 2024 aufgestellte Roth-Bestzeit des Dänen Magnus Ditlev (7:23:24 Std.) in den Fokus. „Das wird der Hammer“, freut sich Felix Walchshöfer.MATHIAS MÜLLER