Trauriges Bild: Nagelsmann nach dem WM-Aus. © Weller/dpa
Planspiele: Das DFB-Trio Rettig, Völler und Neuendorf (von links) tagte mit Nagelsmann.
Clevere Klausel: Klopp soll sich von RB für den DFB freistellen lassen können. © Ulmer/Imago
München – So schnell konnte man gar nicht schauen, da war Julian Nagelsmann schon nicht mehr in München, sondern in Frankfurt am Main. Denn keine 24 Stunden, nachdem der (Noch-) Bundestrainer deutschen Boden unter den Füßen hatte, fand in der DFB-Zentrale bereits der erste Krisengipfel statt. Die Herren Bernd Neuendorf (Präsident), Hans-Joachim Watzke (Vizepräsident), Rudi Völler (Sportdirektor) und Andreas Rettig (Geschäftsführer) hatten geladen, um das blamable WM-Aus gegen Paraguay aufzuarbeiten. Und das Ergebnis überrascht nicht: Die Ablösung von Nagelsmann ist nach unseren Informationen beschlossene Sache und soll bis zum Wochenende durch sein.
Drei Stunden dauerte die Aussprache laut „Bild“-Zeitung, vom sportlichen Scheitern bis hin zur „Family-and-Friends“-Atmosphäre im Teamcamp kam alles auf den Tisch. Anschließend bekam Nagelsmann Bedenkzeit, ob er den Kopf selbst aus der Schlinge ziehen will. Heißt: Rücktritt statt Rauswurf.
Ein „Weiter so“ konnte sich niemand mehr vorstellen, das wurde in den 180 Minuten deutlich. Vielmehr drängen die Bosse auf eine schnelle Lösung, um Wunschkandidat Jürgen Klopp in den Fokus nehmen zu können. Geht der 38-Jährige nicht freiwillig, wäre es für ihn bereits der zweite Rauswurf aus einem Top-Traineramt – beim FC Bayern zogen die Verantwortlichen im März 2023 ebenfalls die Reißleine. In München wurde dem Fußballlehrer sein reguläres Gehalt weiterbezahlt, bis er als Bundestrainer übernahm. Beim DFB hofft man hingegen auf eine Kompensationszahlung angesichts des üppigen Gehalts von geschätzt sieben Millionen Euro pro Jahr.
Dann wäre der Weg für Wunschkandidat Jürgen Klopp frei – und der 59-Jährige könnte die Mannschaft bereits im Herbst auf die Nations-League-Spiele im September und Oktober vorbereiten. Die ersten beiden Heimspiele als neuer Bundestrainer würde Klopp übrigens in Bayern bestreiten: Am 27. September in Augsburg gegen Griechenland und am 1. Oktober in München gegen Serbien. Zu dieser Zeit findet das Oktoberfest in der Landeshauptstadt statt. Der Einstand des gebürtigen Stuttgarters würde so oder so zünftig verlaufen.
„Natürlich ist das alles noch nicht sicher. Aber ich habe das Gefühl, dass es wahrscheinlich so passieren wird. Wenn Jürgen Klopp Bundestrainer werden sollte, wird er auch so eine Hausmacht mit hineinbringen. Der DFB ist ja schon in einer Not“, sagt auch Bastian Schweinsteiger. Aber kommt Kloppo so einfach aus seinem RB-Vertrag raus? Ja! Angeblich soll der frühere Trainer von Borussia Dortmund und Liverpool eine Ausstiegsklausel für den Bundestrainer-Job besitzen. Finanziell wird der Top-Kandidat tendenziell mehr Gehalt einstreichen wollen. Da dürfte es dem DFB gerade rechtkommen, dass ab dem 1. Januar 2027 der US-Sportartikelhersteller Nike im großen Stil beim DFB als Ausrüster auftritt und 100 Millionen Euro im Jahr zahlen soll. Am Geld wird die Wunsch-Personalie nicht scheitern.M. BONKE, V. TSCHIRPKE, JAN CHRISTIAN MÜLLER