Servus Löwen: Offensivstar Kevin Volland beendet seine Profikarriere. © IMAGO
München – Ob im Urlaub, daheim im Allgäu oder bei einer WM-Session mit Freunden vor dem Fernseher: Einer Frage konnte Kevin Volland zuletzt nie ausweichen. Macht er trotz des Zwangsabstiegs der Löwen weiter? Oder ist mit 33 Jahren Schluss? Jetzt gibt es die Antwort. Und sie ist endgültig.
„Ich höre auf! Irgendwann muss mal eine Entscheidung fallen, das ist leider so“, sagte der frühere Nationalspieler unserer Zeitung. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, auch noch mal mit vielen Leuten gesprochen. Aber mein Gefühl ist, dass es das jetzt war. Kopf, Körper, dazu die Ungewissheit bei 1860. Wenn das Gefühl weg ist, sollte man das ernst nehmen.“
Damit endet eine Karriere, wie sie nur wenige Spieler aus dem Löwen-NLZ vorweisen können. Vom FC Thalhofen führte Vollands Weg über den FC Memmingen und 1860 nach Hoffenheim in die Bundesliga. Es folgten Stationen bei Bayer Leverkusen, AS Monaco und Union Berlin. Hinzu kamen 15 Länderspiele für Deutschland, Einsätze bei der EM 2021 und weit mehr als 300 in ersten Ligen. Im Sommer 2025 kehrte der verlorene Sohn nach Giesing zurück, um seinem Herzensverein beim Angriff auf die 2. Liga zu helfen. Statt Aufbruch folgten Chaos, Zwangsabstieg und die Insolvenz der KGaA.
Kevin ist also weg. Zumindest aus dem Profifußball. Dem Fußball selbst bleibt er erhalten. Wie angekündigt schließt er sich seinem Heimatverein FC Thalhofen an. „Amateurfußball“, sagt Volland plötzlich hörbar gelöst. „Das ist auch so eine Sache, die ich noch mal erleben wollte. Einer meiner besten Freunde ist gerade Trainer geworden, mein Bruder und meine Cousins spielen dort.“ Er lächelt. „Wann die Saison anfängt, weiß ich gar nicht genau. Ich glaube Mitte Juli mit dem Totopokal. Vielleicht gehe ich heute mal zum Training. Oder spätestens morgen.“
Für die Bezirksliga Schwaben Süd, glaubt Volland, wird es noch reichen – körperlich ebenso wie von der Motivation her. „Ich habe bis zur U 12 in Thalhofen gespielt, bin danach nach Memmingen gewechselt. Irgendwo schließt sich da jetzt ein Kreis. Ich wollte ohnehin nur noch ein Jahr spielen. Dann mache ich das eben dort, wo für mich alles angefangen hat.“
Den Löwen, betont Volland, werde er dennoch verbunden bleiben. Vor seiner Entscheidung führte er noch Gespräche mit den Verantwortlichen. „Das gebietet schon die Fairness, dass ich mir das alles noch einmal anhöre. Aber wie gesagt: Noch ist relativ unklar, wie es weitergeht. Und wenn das so ist, dann sieht man sich eben irgendwann wieder.“ Ganz ausschließen möchte er eine zweite Rückkehr an die Grünwalder Straße nicht. „Vielleicht ergibt sich eines Tages eine andere Funktion bei 1860. Das kann ich mir gut vorstellen.“
Vorerst aber endet das Kapitel Profifußball. Der weit gereiste Nationalspieler wird wieder Amateur. Aus den Flutlichtstadien der Bundesliga geht es zurück auf die Sportplätze im Allgäu – dorthin, wo alles begann. Und wer weiß: Vor zwei Jahren traf Thalhofen im Totopokal auf die Löwen. Ein sportliches Wiedersehen wäre theoretisch möglich.ULI KELLNER