DAS WM-TAGEBUCH

Gunter und Hunter

von Redaktion

Von GÜNTER KLEIN

Günter ist heute keine glückliche Namenswahl mehr. Kein Kind wird so genannt, die relevanten Günters sind tot (Günter Pfitzmann, Günter Noris, Günter Grass) oder alt (Günter Netzer, Günter Wallraff). Von 1248 Fußballern bei der WM heißt kein einziger Günter. Und wenn man international reist, hat man das Problem mit den Tüpfelchen auf dem u. Ich stand schon an manchem Akkreditierungsschalter etwas länger, weil ich mich als Guenter angemeldet hatte, aber als Gunter erwartet wurde. War ich das also wirklich?

Wenn man in den USA einen Kaffee oder ein Sandwich bestellt, wird man immer nach dem Namen gefragt. Ich sage dann etwas zwischen „Ganter“ und „Gjunter“. Ich könnte auf den kanadischen Eishockeyspieler Dylan Guenther verweisen, aber das würde Verwirrung stiften, denn bei dem ist Günter der Nachname. Einem kanadischen Trainer hatte ich mich mal als „Günter Klein – like Calvin Klein“ vorgestellt; er nannte mich fortan Calvin.

Kürzlich in einem Café, als ich wieder meinen „Ganter“ angegeben hatte, stand auf meiner Bestellung, als sie mir ausgehändigt wurde: „Hunter“. Das gebe ich seitdem an. Das kennt man: Hunter Biden, der Sohn von Joe. Hunter S. Thompson, der Reiseschriftsteller. Klaas-Jan „Hunter“ Huntelaar, der Ex-Fußballer. Hunter Schafer, Schauspielerin im Serienhit „Euphoria“, oder Hunter Killer, ein Actionfilm. Als Hunter komme ich gut durch. Keine stirnrunzelnden Nachfragen.

Daheim wird aus Hunter wieder Günter. Fast ein wenig schade.

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