WM-TAGEBUCH

Abflug mit Drill-Sergeant Hartman

von Redaktion

Von Vinzent Tschirpke

Auch nach nun bald fünf Wochen in den USA wird man aus den Vereinigten Staaten nicht schlau. Mal trifft man in diesem hochentwickelten Land auf technische High-End-Produkte, in anderen Fällen wirkt alles dagegen etwas runtergerockt. Bestes Beispiel: die Flughäfen. Während man es an deutschen Sicherheitschecks gewohnt ist, teils einfach durchlaufen zu können, seinen Rucksack nicht ausräumen zu müssen und manchmal sogar Wasserflaschen mitnehmen zu dürfen, hat man in Amerika oft das Gefühl, gerade eine Gesinnungsprüfung beim Militär zu absolvieren. Wie vom Drill-Sergeant Gunnery Hartman im Film „Full Metal Jacket“ wird man dabei angeschrien: Keinen Gürtel an? Sir, yes sir! Schuhe ausgezogen? Sir, yes sir! Laptop noch im Rucksack? Ich glaube nicht, aber lassen Sie mich noch mal nachschauen, Sir! Beim Abflug am Samstag (ich reiste für die Partie Mexiko gegen England nach Mexiko-Stadt) lief dann alles wieder anders: Statt sein Ticket oder seinen Reisepass vorzuzeigen, musste man beim Boarding nur sein Gesicht in die Kamera halten, dann durfte man ins Flugzeug steigen. Natürlich wollte ich sofort ein Foto von der Technik für dieses Reisetagebuch schießen, beim Versuch wurde ich allerdings direkt ermahnt – es scheint also noch top secret zu sein. Daher müssen Sie sich an dieser Stelle mit einem Foto der herkömmlichen Personenverifizierung begnügen: dem Flugticket in Kombination mit einem Reisepass. Während des Flugs habe ich dann lange überlegt, ob ich nun Fan (es geht schneller) oder Gegner (Datenschutz!) des Gesichts-Boardingscans bin. Mein abschließendes Fazit lautete: Es ist mir egal, wenigstens wurde ich nicht wieder von Drill-Sergeant Hartman angeschrien.

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