Große Geste: Pogacar mit Tagessieger Del Toro. © dpa
Sieger im Red Bull-Duell: Remco Evenepoel. © Venance/AFP
„Perfekter Start“: Vingegaard in Gelb. © Stefano/Imago
„Meine Teamkollegen haben heute einen fantastischen Job gemacht“: Jonas Vingegaard und Co. rauschten an der Sagrada Familia vorbei. © Poujoulat/AFP
Barcelona – Titelverteidiger Tadej Pogacar hat beim ersten Schlagabtausch der Klassementfahrer bei der 113. Tour de France in einer Machtdemonstration seinem Edelhelfer Isaac del Toro den Sieg geschenkt. Nach dem empfindlichen Rückschlag zum Auftakt flog der Weltmeister beim stimmungsvollen Finale der zweiten Etappe den legendären Olympia-Berg Montjuic in Barcelona gemeinsam mit seinem Teamkollegen hinauf zum Doppelsieg – und gewährte del Toro die Vorfahrt.
Für die Führung in der Gesamtwertung reichte das aber nicht. Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) verteidigte das Gelbe Trikot zeitgleich als Vierter erfolgreich, der Vorsprung des Dänen auf den Slowenen Pogacar (UAE Emirates-XRG) schrumpfte aber von zwölf auf sechs Sekunden. Dritter nach klassikerähnlichen 168,5 Kilometern zwischen Tarragona und der Hauptstadt Kataloniens wurde Florian Lipowitz‘ Co-Kapitän Remco Evenepoel.
Vingegaard hatte sich tags zuvor am Start mit einem Mundschutz präsentiert. Er sagte, dass er nicht krank sei, aber auf Nummer sicher gehen wolle, weil er bei den vergangenen beiden Frankreich-Rundfahrten angeschlagen gewesen sei. Bloß nicht krank werden bei der Mission, den großen Rivalen endlich mal wieder zu schlagen: Am ersten Tour-Tag lieferten sich die Topstars immerhin schon einen spannenden Schlagabtausch. Giro-Sieger Vingegaard bestätigte seine starke Form und bejubelte den Tagessieg – zwölf Sekunden vor dem Dritten Tadej Pogacar, dem Dauerrivalen des Dänen.
In der brennenden Abendsonne feierten Pogacar und del Toro am Sonntag den erst zweiten Etappensieg eines Mexikaners nach Raúl Alcalá im Jahr 1989 ausgelassen. Es war auch eine Reaktion auf Vingegaards Ansage vom Samstag beim Grand Départ, als der Sieger der Ausgaben 2022 und 2023 nach 1077 Tagen wieder ins Maillot jaune gestürmt war.
Für die ersten Stunden danach lag der Fokus aber unter anderem auf Felix Engelhardt. Der deutsche Meister initiierte durch eine frühe Attacke die erste Fluchtgruppe des Tages. Während der Ulmer vom Team Jayco AlUla sich mit zwei weiteren Fahrern vom Hauptfeld abzusetzen versuchte, kam es in eben diesem zu einem Crash. Acht Fahrer stürzten, darunter auch Topsprinter Biniam Girmay. Für die Betroffenen ging es mit Schürfwunden weiter.
Das Peloton ließ es in der Sonne Kataloniens bei über 30 Grad zunächst gemächlich angehen. Das Führungstrio um Engelhardt setzte sich immer weiter ab, knapp vier Minuten brachten die Ausreißer zwischen sich und das Hauptfeld. Vor dem ersten Anstieg etwa zur Hälfte der Etappe war der Vorsprung allerdings bereits halbiert. Knapp 31 Kilometer vor dem Ziel wurde Engelhardt gestellt, der 25-Jährige wird auf Etappe drei als kämpferischster Fahrer mit der goldenen Startnummer fahren.
Mit der Einfahrt in den Rundkurs in Barcelona, der dreimal gefahren werden musste, erhöhten die Favoriten spürbar das Tempo. Nach der ersten Überquerung des Montjuic war das Feld schon ausgedünnt. In der Folge fielen viele weitere Fahrer zurück, ehe es auf der letzten Rampe zum Ziel am Olympiastadion zum großen Showdown mit bemerkenswertem Ende kam. Generell wurde es hektisch: Der französische Profi Quentin Pacher verhedderte sich mit seinem Rad in einer auf der Strecke liegenden Nationalflagge eines Fans. Beim Anstieg fuhren inmitten der elektrisierenden Kulisse Vingegaard und Pogacar immer nah beieinander.
Nach dem unterhaltsamen Team-Zeitfahren zum Auftakt und einer Klassiker-Etappe wird es bei der Tour nicht langweilig. Am Montag wartet bereits die erste kleine Bergankunft auf die Fahrer.SID