TV-KRITIK

Erhellendes mit der Pfeifenplaudertasche

von Redaktion

Jörg Heinrich

Magenta-Analyse mit Patrick Ittrich (li.) und Jan Henkel. © Screen: Magenta

„Hallo Deutschland“, jauchzt Katrin Müller-Hohenstein im ZDF unverdrossen. Das mittelfränkische Glückspillchen gibt der Post-Paraguay-Depression keine Chance. Und KMH hat Recht: Seit Deutschland nicht mehr mit schlechtem Fußball stört, ist die WM wesentlich schicker geworden. Und alle freuen sich auf Kloppo. Man könnte sagen: Designierter Bundestrainer statt resignierter Bundestrainer, Pöhler statt Nöler. Oder, wie die Sportfreunde Stiller singen würden: „Jürgen Klopp-oh, brings us back to the Top-oh!“

Fast Weltmeister mit Chris Kramer: Das Anti-Depressivum vom ZDF verabschiedete sich angemessen vom Bundesjulian: „Viele Menschen im Land hatten das Gefühl, ich kann den nicht mehr sehen.“ Noch sehen kann das Land Chris Kramer, der an seiner steilsten These festhält: „Wenn wir 2022 nicht in der Vorrunde rausfliegen, glaube ich, dass wir Weltmeister werden.“ Auch wenn sich über die Graugans-Rehabilitierung streiten lässt, steht fest: Mit launigen Sprüchen statt DFB-Elend könnten die letzten beiden WM-Wochen im ZDF Spaß machen.

Merte hat Bock: Der Trend unter deutschen TV-Experten geht klar in Richtung „Anpacken statt nur Labern“. Per Mertesacker schielt offenbar auf den Völler-Posten: „Irgendwie mal beim DFB zu arbeiten – dafür stehe ich natürlich zur Verfügung.“ Yippie, dazu noch Chris Kramer als Gute-Laune-Presseonkel, und wir sind auf Jahre hinaus unschlagbar. Okay, högschdens von den Franzosen, von denen Taktik-Schrulle Christian Streich weiß: „Frankreich isch für mich in eine andere Dimension.“

Der Bundesexperte: Germany’s Next Top-Bundestrainer als hauseigener Fußball-Erklärer – um diesen Coup beneidet Magenta jeder Sender weltweit. Wobei wir inständig hoffen, dass jetzt nicht jeder TV-Experte zum DFB rübermachen will. Halt die Füße still, Lothar! Wenn Kloppo seine Regierungserklärungen abgibt, bekommt er mehr Aufmerksamkeit als CR7 beim Elfmeter. Jüngste Wasserstandsmeldung: „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt.“ Der Bundesjürgen soll wie geplant bis zum Endspiel analysieren, ab dem Achtelfinale bespaßt auch Thomas Müller wieder das Land. Frage ist, ob Klopp auch künftig TV-Experte bleibt. Bei der EM 2028: „Ich finde, das habe ich als Bundestrainer herausragend gemacht.“

Die Gehirnchirurgen: Den „Breakfast Club“ hat Magenta leider schon eingestellt – weil es kaum mehr Nachtspiele gibt, und vielleicht auch aus DFB-Frust. Was bleibt, sind die herausragenden Analysen von TV-Schiri Patrick Ittrich und „Dr. Taktik“ Jan Henkel. Die Pfeifenplaudertasche ist so amüsant – bald wird man ihn Olli Ittrich nennen. Bester Spruch: „Klar, dass Deutschland keine Straßenfußballer mehr hat, die sind ja alle auf Instagram.“ Wie er und Henkel die Paraguay-Treter und den Fielmann-bedürftigen Problem-Schiri nach der „Kneipenschlägerei“ (so nennt das Wolff Fuss) gegen Frankreich seziert haben, hatte die Präzision zweier Gehirnchirurgen. Ittrich: „Dass Paraguay ohne Gelbe Karte aus diesem Spiel rausgeht, ist unfassbar.“ Henkel: „Ich muss mich ein bisschen beruhigen.“ Die beiden sind der Mbappé und der Olise des Analysierens. Chapeau!

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