Klopp-Berater Marc Kosicke.
Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke (re.) fliegen in die USA. © Wunderl/ IMAGO, Gambarini/ dpa
Klopp im Gespräch mit Kerner (re.). © MagentaTV, Schüler/Imago
Frankfurt – Die Flüge sind noch nicht fix gebucht, weil noch Absprachen notwendig sind. Grundsätzlich herrscht jedoch Einigkeit: Eine Abordnung aus Deutschland, bestehend aus DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Bundesligaboss Hans-Joachim Watzke, wird in den nächsten Tagen einen Flug in der Businessclass buchen, um in Amerika Jürgen Klopp zu treffen. Gleichzeitig wird Klopps Berater Marc Kosicke sich auf den Weg machen, so dass vor Ort vier Köpfe zusammengesteckt werden, zwei auf jeder Verhandlungsseite. Der DFB strebt nach unseren Informationen einen Vierjahresvertrag bis zur Weltmeisterschaft 2030 in Spanien, Portugal und Marokko mit dem Welttrainer Klopp an.
Der designierte Bundestrainer hatte am Wochenende im Interview mit Johannes B. Kerner bestätigt, dass er den Job gern übernehmen würde. „Das Timing ist auch jetzt nicht perfekt“, sagte der 59-Jährige unter Verweis auf seine Anstellung bei Red Bull, „trotzdem ist es besser, als es jemals war. Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt. Also ich bin bereit!“
Dass er nicht als Heiland zum DFB kommt, der nur Hand auflegen muss, stellte er im selben Atemzug klar: „Die Probleme, die wir aktuell haben, hängen nicht an der Personalie Julian Nagelsmann“, sondern der deutsche Fußball stehe an einem Wendepunkt: „Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern.“ Inhaltlich ging er darauf zunächst nicht tiefer ein.
Der angekündigte Rückzug von DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig zum Jahresende erleichtert die Verpflichtung. Auch deshalb, weil der DFB mit Oliver Mintzlaff, dem CEO von Red Bull, um eine Ablösesumme für Klopp verhandeln muss. Der „Head of Global Soccer“ ist vertraglich derzeit noch bis 2029 an den aus Österreich gesteuerten Konzern gebunden. Mintzlaff ist wahrlich alles andere als ein Freund von Rettig, der dem Fußballkonstrukt des RB-Imperiums kritisch gegenübersteht und aus den Verhandlungen deshalb rausgenommen wurde.
Die komplexen Unterredungen haben Neuendorf und Watzke zur Chefsache erklärt, sind sich aber dessen bewusst, dass Red Bull vom thailändischen Miteigentümer Chalerm Yoovidhya beherrscht wird. Dort ist mutmaßlich das Interesse daran, den weltweit populären Klopp an den DFB zu verlieren, überschaubar, erst recht nicht kostenlos.
Klopp seinerseits hat entsprechende Gespräche mit Mintzlaff bereits vorangetrieben. Offenbar gab es bei den Verhandlungen mit RB vor Vertragsbeginn im Januar 2025 eine Art Gentlemen’s Agreement, dass Klopp für den Fall einer künftigen Tätigkeit als Bundestrainer ausnahmsweise vorzeitig gehen kann. Aber zu welchem Preis? Sein aktuelles Gehalt wird auf zehn Millionen Euro geschätzt, drei Millionen mehr, als der DFB eigentlich zahlen kann. Daran werden die Verhandlungen aber nicht scheitern. Klar ist: Klopp wird weitere Vertraute mitbringen wollen.
JAN CHRISTIAN MÜLLER