KOMMENTAR

Jetzt bitte keine Ablöseforderungen!

von Redaktion

Poker um Jürgen Klopp

Vor 13 Jahren erreichte RB Leipzig nach vorherigem zweimaligem Scheitern endlich die dritte deutsche Fußballliga. Streng genommen hätte dem Club dort die Spielgenehmigung durch den DFB verwehrt werden können. Oder sogar müssen. Denn es war sonnenklar, dass das vom Brausekonzern aus Österreich gesteuerte Konstrukt dem Geist der deutschen 50+1-Regel widersprach. Und noch immer widerspricht.

Der DFB und nach dem Aufstieg in die zweite Liga auch die DFL winkten die als Rasenballer verkleideten Roten Bullen dennoch durch; wiewohl es im deutschen Fußball eindeutig nicht vorgesehen ist, dass ein Club von einem Investor beherrscht wird. Aber auch sportpolitische Kräfte wirkten stark: Ein ambitionierter Fußballclub im Osten war genehm.

Im Sommer 2026 sollten sich alle miteinander an den Sommer 2013 erinnern, als Ralf Rangnick erfolgreich zum Durchmarsch blies und von DFB und DFL dabei unterstützt wurde. Red Bull ist den beiden Verbänden zu Dank verpflichtet, dass die Konzernzentrale nach wie vor eine deutsche Fußballtochter befehligen darf, die es deshalb längst bis in die Champions League geschafft hat.

Womit wir bei der Personalie Jürgen Klopp wären. Der zu Recht vom DFB umworbene Großmeister steht bei Red Bull als globaler Fußballchef noch bis 2029 unter Vertrag – ohne Ausstiegsklausel. Seine Projekte stecken mitten im Werden. Der Verlust des Anführers wäre für RB schmerzlich. Der Brausekonzern könnte für Klopp eine Ablöse im zweistelligen Millionenbereich fordern.

Die wäre in der Höhe marktgerecht. Aber hier geht es nicht nur ums finanzielle Kalkül, sondern auch um die Moral. Und die Moral der Geschichte wäre: Eine Firma, die wie Red Bull bei jährlich zwölf Milliarden Euro Umsatz zwei Milliarden Euro Gewinn abwirft, sollte dem deutschen Fußball nicht kleinlich ein paar Millionen abzwacken. Geld, das dem DFB für seine Talentförderung und Vereinsarbeit fehlen würde. Oder fürs Gehalt von Jürgen Klopp.

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