Bereit für weitere Heldentaten

von Redaktion

Showdown gegen Sinner: Struffs Siegeszug soll auch im Viertelfinale nicht enden

Selbstbewusster denn je: Jan-Lennard Struff. © Whitley/dpa

London – Jan-Lennard Struff bekam von den Hupkonzerten nichts mit. Während sich London nach dem dramatischen WM-Achtelfinalerfolg der Three Lions gegen Mexiko mitten in der Nacht in ein Tollhaus verwandelte, setzte der große Fußball-Fan lieber mit Kopfhörern im Ohr auf eine ordentliche Portion Schlaf. Für das Viertelfinale gegen Titelverteidiger und Topfavorit Jannik Sinner ordnet Struff alles der „bestmöglichen“ Vorbereitung unter, schließlich soll seine märchenhafte Reise in Wimbledon gegen den schier übermächtigen Italiener ihr nächstes denkwürdiges Kapitel erhalten.

„Das wird eine brutal schwierige Aufgabe, das ist völlig klar“, sagte Struff vor dem Sinner-Showdown an der Church Road. Doch weil ihn dieser Tage offenbar nichts aus der Bahn werfen kann, geht der Warsteiner mit einer mächtigen Portion Selbstvertrauen in das mit Spannung erwartete Duell. „Natürlich traue ich mir zu, dass ich da etwas schaffen kann“, sagte Struff: „Sonst bringt es nichts, auf den Platz zu gehen.“

Mit 36 Jahren feiert „Struffi“ im 47. Anlauf (!) seine Viertelfinal-Premiere bei einem Grand Slam. In der 1968 eingeführten Open Era ist er der älteste Spieler, der in Wimbledon und überhaupt bei einem Major zum ersten Mal um den Einzug in die Vorschlussrunde spielt. „Er hat immer an sich geglaubt“, sagte Michael Stich, 1991 letzter deutscher Wimbledon-Champion, bei Prime Video: „Die ganze Story kannst du schöner nicht schreiben.“

Immer wieder lag Struff schon angezählt am Boden. Doch immer wieder rappelte er sich wieder auf. So auch gegen den Polen Hubert Hurkacz, gegen den der Deutsche einen Zwei-Satz-Rückstand wettmachte. Im letzten Durchgang gab sein Gegner dann bei Führung Struff unter großen Schmerzen auf. Er sei „sehr glücklich, denn das ist eine riesige Leistung für mich“, sagte Struff: „Ich bin 36, mein erstes Viertelfinale – das ist einfach unglaublich.“

Neben dem besonderen Date mit Sinner sicherte sich Struff auch bis an sein Lebensende seinen Platz in Wimbledon. Erreicht ein Spieler im Einzel das Viertelfinale, tritt dieser dem „Last 8 Club“ bei. Struff darf nun immer das Gelände betreten, zudem gehören zu den Privilegien kostenlose Eintrittskarten sowie der Zugang zu einer ausgewiesenen Hospitality-Suite. Er selbst habe „gar keine Ahnung, was das jetzt genau ist“, sagte Struff: „Aber ich weiß, dass es etwas Besonderes ist.“

Struff wird noch genug Zeit haben, um diese Bildungslücke zu schließen. Vorher liegt der Fokus aber voll auf Sinner. Struff sei ein „sehr aggressiver Spieler, ein großer Aufschläger“, sagte die italienische Nummer eins: „Ich habe großen Respekt für ihn. Ich schaue, was mich erwarten wird.“SID

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