DER PREIS DES TAGES

Die letzten Postkarten

von Redaktion

Ein Bekannter aus Berlin, bekennender Nostalgiker, bat mich, ihm von meinem WM-Aufenthalt eine Postkarte zu schicken. Wochenlang sah ich keine einzige, dann auf den letzten Drücker in einem gruseligen New-York-Souvenirshop (mit Freiheitsstatuen und Trump-Büsten) doch noch: Motive von New York in allen Variationen. Vielleicht die letzten Postkarten Amerikas. Der Preis lässt auf einen Räumungsverkauf schließen: zehn Stück für 1 Dollar (0,87 Euro). Wird noch Nachschub gedruckt? Wohl nicht. Die Menschen verschicken ihre Touri-Bilder per WhatsApp. Ich brauchte nur eine Postkarte, also kaufte ich eine, für 25 Cent. Großes Erstaunen im Laden, mir schien, als käme die ganze Belegschaft zusammen, um diesen Kunden aus einer untergegangenen Epoche zu bestaunen. Das Verschicken ist ein Vielfaches teurer als die Postkarte. 1,70 Dollar beträgt das Porto nach Deutschland. Wenn man denn noch eine Filiale von US Postal findet. Eventuell braucht man die Subway (3 Dollar) oder gar ein Uber.GÜNTER KLEIN

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