KOMMENTAR

Eine Schande in der WM-Historie

von Redaktion

Über Trump und die Fifa

Es ist ein einmaliger Vorgang in der WM-Geschichte: Donald Trump und das Weiße Haus haben bei der Fifa Druck gemacht, damit die Rote Karte gegen den US-Spieler Folarin Balogun zurückgenommen wird. Trump gab den Vorgang in einer bizarren Pressekonferenz sogar zu. Er wisse zwar nicht, was eine Rote Karte sei, es sei aber kein Foul gewesen und die Besten sollten spielen: „Ja, ich habe mit Gianni geredet.“

Kurz zur Chronistenpflicht: Der Platzverweis war tatsächlich umstritten. Doch darum geht es in diesem Fall überhaupt nicht. Eine Entscheidung des Schiedsrichterteams muss akzeptiert werden – ob richtig oder falsch. Ansonsten gibt es offizielle Wege, sie anzufechten. Ein Telefonat zwischen Trump und seinem Buddy Infantino, der als Fifa-Chef zufällig maßgeblichen Einfluss auf die (natürlich unabhängigen!) Gremien seiner Organisation hat, zählt definitiv nicht dazu.

Ein solches Vorgehen untergräbt die Integrität dieses Turniers, das schon so viele haarsträubend ungerechte Entscheidungen hervorbrachte. Die Trinkpausen halfen nicht den Spielern in den teils überdachten Stadien, sondern den TV-Sendern, die währenddessen Werbung schalten konnten – und ebenso den Favoriten, die im Falle eines aus der Hand geglittenen Spiels dank der beiden zusätzlichen Unterbrechungen häufiger taktisch nachjustieren konnten. Diese Favoriten ziehen traditionell ebenfalls mehr Zuschauer, Werbekunden und damit Geld an – das Einzige, was bei der Fifa zählt.

Und auch die Rolle des Irans in diesem Turnier war von skandalösen Widerständen geprägt. Dazu kam noch der somalische Schiedsrichter, der nicht einreisen durfte und aufgrund seiner Herkunft kurzerhand in die Nähe einer Terrororganisation gerückt wurde – in bester Trump-Tradition ohne jegliche Beweise.

Nun greift also auch noch der Präsident eines Landes in das laufende Turnier ein. Eine beispiellose Schande in der WM-Historie.

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