Kampf: Kane & Co. mussten an ihre Grenzen gehen.
Bann gebrochen: England siegte im Aztekenstadion. © Potts/dpa, Ruiz/AFP
Mexiko-Stadt – Die Vorzeichen an diesem denkwürdigen Achtelfinaltag waren aus englischer Sicht alles andere als gut: Ganz Mexiko-Stadt mit seinen 21 Millionen Einwohnern hatte sich gegen die Three Lions verschworen, und das begann schon am Abend zuvor: Mit Böllern und Raketen versuchten die Fans, das Team um Harry Kane vom Schlafen abzuhalten.
Tags darauf ging es ähnlich weiter: Ein heftiges Unwetter samt Blitzeinschlägen in der Nähe des Stadions sorgte für eine einstündige Verschiebung des Anpfiffs. Und den Rest sollte dann das legendäre Aztekenstadion erledigen: Auf 2240 Metern Höhe herrscht hier dünne Luft, noch nie hatte Mexiko in diesem Stadion ein WM-Spiel verloren. England hoffte dagegen auf späte Revanche und wollte den Fluch brechen, der seit dem letzten Auftritt im Aztekenstadion auf ihnen lag: Damals hatte Argentinien um Diego Maradona bei der WM 1986 England aus dem Turnier geworfen – dank des Jahrhunderttors Maradonas und der „Hand Gottes“.
Dieses Mal sollte all das aber nicht helfen: England steht nach einer epischen Schlacht, zwei Elfmetern und trotz der Roten Karte für Rechtsverteidiger Jarrell Quansah dank des 3:2-Erfolgs im Viertelfinale – während Mexiko trauert und aus dem Turnier scheidet. „Ich bin sehr stolz darauf. Wir haben heute alles gebraucht und genau in dem Moment, in dem wir es gebraucht haben, haben wir zugeschlagen. Das ist hervorragend, das ist die Mentalität“, erklärte Nationaltrainer Thomas Tuchel nach der Partie.
Kapitän und Torschütze Harry Kane erklärte mit heiserem Krächzen: „Sorry, meine Stimme ist weg, ich habe die ganze Zeit gesungen, ich kann nicht wirklich reden“, so der Stürmer. „Es war ein verrücktes Spiel. Mein Gott, wir haben so gekämpft. Unglaublich, die Mannschaft, alles, das ist so unglaublich.“
Die Engländer haben damit einen echten Härtetest bestanden, schließlich gewann Mexiko zuvor alle vier WM-Spiele zu null und in beeindruckender Art und Weise. Am Samstag treffen sie nun auf Norwegen (23 Uhr, ZDF). Einziger Wermutstropfen: Kapitän Jordan Henderson verletzte sich beim Jubeln schwer. Der Routinier wollte nach dem „Wonderwall“-Jubel, bei dem alle Spieler vor der Kurve singen, über die Bande auf den Platz springen und landete auf seinem Handgelenk.V. TSCHIRPKE