Fans wollen aufs Löwen-Trikot

von Redaktion

Crowdfunding-Kampagne über 250.000-Euro: Westkurve sammelt für Sponsoring

So könnte es aussehen: Trikot mit Slogan der 1860-Fans.

München – Mit einem lockeren 7:1 (4:0)-Testspielsieg beim TSV Moorenweis verabschiedeten sich die Löwen am Sonntag aus ihrem fünftägigen Trainingslager in Bad Füssing. Vor 3000 Zuschauern auf dem Sportplatz an der Jahnstraße traf Wechselkandidat Loris Husic doppelt, ein letztes Mal liefen die Sechzger dabei in den dunkelblauen Auswärtstrikots ihrer vergangenen Drittliga-Saison auf – inklusive Ex-Hauptsponsor „Die Bayerische“ auf der Brust. Wer den Regionalligisten künftig als Trikotsponsor begleiten wird, ist dagegen ebenso offen wie viele andere Zukunftsfragen an der Grünwalder Straße: der endgültige Kader, der Etat oder die wirtschaftliche Schlagkraft der neuen Spielbetriebs-GmbH.

Immerhin: Einen potenziellen Sponsor gibt es bereits. Und der kommt aus den eigenen Reihen. Unter dem Motto „Football for the People“ hat die aktive Fanszene des TSV 1860 eine bundesweit angelegte Crowdfunding-Kampagne gestartet. Ziel ist es, 250.000 Euro einzusammeln, um den Slogan auf dem Trikot der Profimannschaft zu platzieren. Bis Montag, 12.30 Uhr, waren über die Plattform GoFundMe bereits 44.211 Euro zusammengekommen. Im Internet kursiert der Entwurf eines Trikots, auf dem „Football for the people“ unter dem Bereich für die Rückennummer platziert ist. Die Botschaft richtet sich ausdrücklich nicht nur an Löwen-Anhänger, sondern an Fans im In- und Ausland. „Fußball gehört den Fans und denen, die ihn lieben, keinen Firmen oder Investoren“, heißt es in der Erklärung der Westkurve. Sollte die Zielsumme verfehlt werden, werde das Geld dennoch vollständig dem TSV 1860 e.V. zufließen.

Die Ultra-Szene versteht ihre Initiative als Symbol für den Neuanfang nach dem ersehnten Ende der Ära Hasan Ismaik. Gleichzeitig richtet sie einen Appell gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Profifußballs und für den Erhalt der 50+1-Regel. Aus einem Verein, der für viele zum Sinnbild der Abhängigkeit von einem Investor geworden sei, solle ein positives Beispiel dafür werden, wie sich ein Club seine Eigenständigkeit zurückerobern kann.

Montagmittag waren bereits 44.211 Euro zusammengekommen

Dass Fan-Leidenschaft allein den Neustart nicht finanzieren wird, betont ausgerechnet der langjährige Hauptsponsor. Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen, bezeichnete den professionellen Fußball in einem Social-Media-Post als „modernen Wirtschaftsbetrieb“. Wirtschaftliche Solidität sei die Voraussetzung für sportlichen Erfolg. Selbst eine Genossenschaft brauche Kapital, Gewinne und Sponsoren. Wer das nicht akzeptiere oder ablehne, „findet seine Heimat dauerhaft im Amateurfußball“, schrieb der 57 Jahre alte Gräfer. Zugleich warnte er davor, Unternehmen pauschal als Gegner zu betrachten. Ohne wirtschaftlich starke Partner werde auch ein mitgliedergetragenes Modell langfristig keinen Profifußball finanzieren können.

Die wirtschaftliche Dimension der Fan-Aktion wird dadurch greifbar. Zuletzt soll „Die Bayerische“ die Löwen mit rund 1,2 Millionen Euro pro Drittliga-Saison unterstützt haben, in der ersten Regionalliga-Spielzeit 2017/18 war es etwas mehr als die Hälfte. Sollten die Fans ihr Spendenziel von 250.000 Euro erreichen und gleichzeitig ein neuer – oder vielleicht sogar der alte – Hauptsponsor einsteigen, wäre für den wirtschaftlichen Neustart der Löwen ein wichtiger Grundstein gelegt.ULI KELLNER

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