Trump gibt alles zu

von Redaktion

Fall Balogun wird zum WM-Skandal

US-Stürmer Folarin Balogun (re.) sah von Schiedsrichter Raphael Claus die Rote Karte, aber die Fifa hob die Sperre auf. © Chiu, Cortez/dpa

Treffen sich zwei Präsidenten: Donald Trump und Gianni Infantino. © Reynolds/AFP

New York – Entsetzen, Erschütterung, Empörung: Der „Fall Balogun“ hat sich zum handfesten WM-Skandal entwickelt und für einen internationalen Aufschrei gesorgt. Nach der Einmischung von US-Präsident Donald Trump gerät der Fußball-Weltverband Fifa um Präsident Gianni Infantino massiv unter Druck. Der Präzedenzfall bestätigt die schlimmsten Befürchtungen rund um die Endrunde und erschüttert die Glaubwürdigkeit der gesamten Sportart – und Trump gibt sogar alles zu.

„Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war“, sagte der US-Präsident am Montag im Weißen Haus, versuchte aber, den Fall klein zu halten: „Alles, was ich getan habe, war, um eine Überprüfung zu bitten. Ich habe nicht gesagt, ihr müsst das tun.“ Aus seiner Sicht sei es jedoch „noch nicht einmal ein Foul gewesen, und ich kenne mich mit solchen Dingen aus.“

Auch Fifa-Chef Infantino schaltete in den Verteidigungsmodus. In dieser Angelegenheit habe er „tatsächlich einen Anruf von Präsident Donald Trump erhalten“, teilte der Schweizer am Montag in einer vom Weltverband verbreiteten Stellungnahme mit. Infantino betonte darin, dass die Fifa-Disziplinarkommission „unabhängig“ sei. Darauf habe er auch in dem Gespräch mit Trump hingewiesen. Er habe erläutert, „dass ein laufendes Rechtsverfahren vor den unabhängigen Justizorganen der Fifa anhängig sei und dass der Fall zu gegebener Zeit von den zuständigen Gremien entschieden werde“, sagte der Fifa-Präsident: „So funktioniert das System der Fifa, und dieses Prinzip werde ich immer verteidigen.“

Kritik hagelte es trotzdem, aus allen Richtungen. Bernd Neuendorf, der als DFB-Boss auch im Fifa-Council sitzt, sagte unserer Zeitung: „Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der Fifa.“ Noch deutlicher wurde die Europäische Fußball-Union (Uefa). Sie kritisierte die Fifa in selten zuvor erlebter Form. „Wir bringen unser Unverständnis über eine derart beispiellose, unbegreifliche und nicht zu rechtfertigende Entscheidung zum Ausdruck“, schrieb die Uefa: „Manchmal lassen Regeln Interpretationsspielräume zu. In diesem Fall nicht.“

Am Sonntag hatte die FIFA die Sperre für US-Stürmer Balogun aus dem WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) zur Bewährung ausgesetzt. Balogun war damit im Achtelfinale der USA gegen Belgien nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe spielberechtigt. Dabei sieht Artikel 66.4 im Fifa-Disziplinarkatalog eindeutig vor, dass eine Rote Karte automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich zieht. Ein Einspruch dagegen ist nicht möglich. Der Weltverband bezog sich in seiner Entscheidung zu Balogun lediglich auf Artikel 27 der Disziplinarordnung. Dieser erlaubt es der Fifa, „die Umsetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise auszusetzen“. Der belgische Verband legte Einspruch ein, er wurde aber am Montag als „unzulässig“ abgewiesen.

„Infantino sollte sich dafür schämen, denn die Fairness des Spiels ist infrage gestellt“, urteilte England-Legende Wayne Rooney in seiner Rolle als BBC-Experte. Auch der designierte Bundestrainer wurde deutlich. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, sagte Jürgen Klopp bei Magenta.

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