Lange ist es noch nicht her: Noch bis vor knapp zwei Jahren trainierte Thomas Tuchel den FC Bayern. Damit war er auch der erste Trainer, mit dem ich als Reporter in meiner Karriere regelmäßig zu tun hatte: Ein- bis zweimal pro Woche befragte ich ihn auf den Pressekonferenzen an der Säbener Straße und in der Allianz Arena.
Auch wenn es sportlich nicht funktionierte, schätze ich Tuchels Art damals wie heute sehr: Es mag seinen Arbeitgebern zwar nicht immer gefallen, aber er versucht, auf jede Frage eine ehrliche Antwort zu geben. Manchmal vielleicht ein bisschen zu ehrlich, manchmal bewusst mit einem Hintergedanken (Stichwort: Der FC Bayern hätte keine Sechser im Kader). Aber eben immer direkt und deutlich, ohne große Phrasen oder Drumherumgerede. Unvergessen bleibt zudem, wie er mich damals neben einem ähnlich aussehenden Kollegen erblickte und spontan einen Lachanfall bekam. „Seid ihr Zwillinge? Oder Brüder? Verrückt.“
Entsprechend freute ich mich auf das Wiedersehen mit ihm auf der Pressekonferenz nach der Partie zwischen England und Mexiko. Auffällig war sofort, wie anders er von den englischen Kollegen wahrgenommen wird: Auf der Insel genießt Tuchel ein deutlich höheres Ansehen als in Deutschland, auch wenn dort mit ihm als Nationaltrainer ebenfalls hart ins Gericht gegangen wird. Eines ist jedoch gleich geblieben: Tuchel ist und bleibt ein spannender Gesprächspartner. Auf meine Frage nach der Entwicklung Harry Kanes seit seiner Zeit in München antwortete er überraschend: Er habe ihn damals trotz Widerständen im Verein zum FC Bayern geholt – diese Version kannte man bisher noch nicht.