Kämpferisch, aber raus: Jan-Lennard Struff. © HAMBURY/EPA
Unwiderstehlich: Tennisstar Alexander Zverev. © HALL/EPA
London – Alexander Zverev pustete einmal kräftig durch, Jan-Lennard Struff schritt am Ende seines Wimbledon-Märchens unter Standing Ovations von Court 1: French-Open-Sieger Zverev erreichte erstmals das Viertelfinale im All England Club und trifft nun bei der Titeljagd auf seinen Angstgegner Taylor Fritz. Der Warsteiner Struff verpasste bei seiner Premiere in der Runde der letzten Acht gegen den italienischen Topfavoriten Jannik Sinner eine Sensation.
Nachdem Zverev im Duell mit dem an Nummer 13 gesetzten Tschechen Jiri Lehecka vor der Sperrstunde am Montagabend klar auf Siegkurs gelegen hatte, wackelte er nach dem Restart zunächst. Doch der Hamburger verhinderte ein weiteres Achtelfinal-Drama auf dem ehrwürdigen Centre Court und feierte durch das 6:4, 7:5, 3:6, 7:6 (8:6) seinen ersten Sieg in Wimbledon gegen einen Top-20-Spieler. Im vierten Anlauf im Achtelfinale gelang ihm endlich der Einzug in das Londoner Viertelfinale.
Doch damit gibt sich Zverev nicht zufrieden – schließlich soll es in diesem Jahr auf dem „heiligen Rasen“ noch viel weiter gehen. Mit Fritz wartet nun aber eine für Zverev zuletzt unlösbare Aufgabe: Die vergangenen sieben Spiele verlor der Tokio-Olympiasieger gegen den US-Amerikaner allesamt.
Für Struff endete sein großes Abenteuer beim bedeutendsten Tennisturnier des Jahres gegen Sinner – das Viertelfinale war dennoch ein Erfolg. Vor dem Rasenklassiker hatte er seit Oktober bei keinem Turnier im Hauptfeld zwei Matches gewonnen. Nun feierte Struff im 47. Anlauf seine Viertelfinal-Premiere bei einem der vier großen Turniere.
Bei seinen vier vorangegangenen Siegen in Wimbledon hatte Struff mit seiner kämpferischen Einstellung die Herzen des Publikums erobert, immer wieder arbeitete er sich aus schier aussichtslosen Situationen. Und so war die Unterstützung auch vor dem Duell mit dem schier übermächtigen Sinner groß. „Was für ein geiles Turnier, dass du spielst. Und ich würde sagen: Wenn man Sinner schlagen kann, dann nach den Auftritten von dir bisher“, sagte Rio-Weltmeister Mats Hummels in einer Grußbotschaft bei Instagram.
Gegen einen wieder nicht überragenden Sinner zeigte Struff beim Temperaturen um die 30 Grad eine gute Leistung. Doch während er sich in den entscheidenden Momenten Fehler leistete, blieb der Italiener unter Druck stets cool und setzte sich nach 2:35 Stunden Spielzeit durch.
Struff sei „ein sehr, sehr harter Gegner“ gewesen, adelte Sinner im Anschluss seinen Gegner: „Er verdient alles, was er in seiner Karriere erreicht hat. Er ist eine großartige Person abseits des Platzes.“
Der Südtiroler zog zum dritten Mal in die Vorschlussrunde von Wimbledon ein, wo eine Neuauflage des letztjährigen Halbfinals gegen Major-Rekordgewinner Novak Djokovic warten könnte. Der Serbe trifft auf den kanadischen Weltranglistendritten Félix Auger-Aliassime.