KOMMENTAR

Lehrbeispiel für schlechtes Karma

von Redaktion

Kontraproduktiver Trump

Im Normalfall hätte man für die Amerikaner sein müssen: junges, beschwingtes Team, das auf einem komplizierten Markt Begeisterung für seine Sportart auslöst, versus Altherren-Combo, die immer nett, aber letztlich belanglos vor sich hinspielt (und uns schon manchen Wettportal-Euro gekostet hat). Dann aber: unverhohlene Freude über Belgiens 4:1-Sieg über die USA, weil der vor allem ein Erfolg gegen die FIFA war, die Donald Trumps dreisten Eingriff in den Wettbewerb zugelassen hatte. Und der aufgezeigt hat, wie, was als Strategie gedacht war, Chaos auslöst. Was wir auf der sportlichen Ebene erlebt haben bei den USA – es war ein Lehrbeispiel für schlechtes Karma.

Einer, der Sport nur aus den inszenierten Kämpfen der Wrestler kennt wie eben Donald Trump, hat sich diese Unberechenbarkeit des Fußballs wohl gar nicht vorstellen können. Er hat gerechnet: Wenn der beste Stürmer einer Mannschaft mitspielen kann, ist sein Team stärker, als es ohne ihn wäre. Doch diese Sichtweise ist laienhaft und technokratisch, sie missachtet, dass Menschen nicht immer gleich funktionieren, dass sie Lasten verspüren und darunter leiden. Der US-Präsident mag seine Einmischung im besten Fall als patriotischen Akt verstanden haben (wahrscheinlich ging es ihm aber auch um gute Stimmung in eigener Sache), bemerkte aber nicht, in welche Situation er das Team, Trainer Pocchettino und den bedauernswerten Spieler Balogun gebracht hatte.

Klar, das ist Spekulation. Aber eine amerikanische Mannschaft, die sich von der Personalie Balogun gelöst und die zu sich gesagt hätte, wir spielen für unseren Freund, der heute nicht dabei sein kann, wäre nicht 1:4 untergegangen. Es hätte zum Team USA gepasst, mit positivem Trotz in dieses Achtelfinale zu gehen. Doch es zerbrach unter dem Druck, den Donald Trump aufgesetzt hatte.

Ein Mann ohne Gespür für das, was den Wettbewerb bestimmt, hat das eigene Team aus dem größten Turnier der Welt gekegelt.

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