Getrennte Wege: Völler (re.) bleibt. Nagelsmann (li.) und Rettig gehen. © Gambarini/dpa
Frankfurt – Bis zum Dienstagmittag hatte es den Anschein, dass Rudi Völler aus dem betrüblich frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft in Amerika persönliche Konsequenzen ziehen könnte. Würde der DFB-Sportdirektor seinen Arbeitgeber bitten, ihn aus dem noch bis 2028 laufenden Vertrag zu entlassen? Würde er sagen, es ist gut, es reicht, ich habe genug? Völler gab tagelang keine Antwort. Er wollte erst mit Jürgen Klopp sprechen. Sollte der abwinken, würde Völler ohne Groll gehen.
Von DFB-Seite, sowohl von Präsident Bernd Neuendorf als auch von Bundesliga-Boss Aki Watzke, war klar: Man wollte Völler behalten, auch wenn er an der Seite des erfahrenen, designierten Bundestrainers Klopp mit einiger Sicherheit nicht mehr als Verteidigungsminister gebraucht wird wie noch im Fall Julian Nagelsmann, wohl aber dank der Popularität von „Rudi Nazionale“ weiterhin als Außenminister.
Bei einem Termin am Dienstagnachmittag in einer kleinen Medienrunde im Frankfurter DFB-Campus nahm Völler den präzisen Pass von Watzke verbal auf. Er berichtete von einem langen und guten Telefongespräch mit Jürgen Klopp am Samstag. Watzke, Neuendorf, Klopp, zudem mehrere Kollegen aus der Bundesliga und sogar Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff – alle hätten sich nacheinander gemeldet und Völler mitgeteilt, er solle weitermachen. „Das Gesamtpaket hat dann den Ausschlag gegeben.“
Mintzlaff habe ihm bedeutet, dass es „super“ werden wird an der Seite von Klopp. „Es hat mich sehr gefreut, dass er angerufen hat.“ Daran erkenne man: „Jeder versucht, Lösungen zu finden.“ Mit Klopp, so Völler, solle jetzt jemand Bundestrainer werden, „der diesen Job seit vielen Jahren verdient hat“ und jetzt endlich auf dem Markt sei. Völler zeigte sich „optimistisch, dass die Gespräche einen guten Ausgang nehmen“. Er selbst wird nicht mit Neuendorf und Watzke in die USA zu den Verhandlungen anreisen.
Grundsätzlich wäre es, wenn er nicht mehr gewollt worden wäre, für ihn auch „kein Problem gewesen, dem Ganzen ein Ende zu setzen“, gleichwohl sei er beim DFB „mit dem Herzen dabei“ und freue sich deshalb, wie es nun kommen soll.
Eine Anstellung gar über sein Vertragsende nach der EM 2028 hinaus sieht Völler jedoch nicht: „Ich mache gerne im Übergang weiter, aber das ist endlich.“ Er sieht vielmehr alsbald die 2014er-Weltmeister an der Reihe: „Die Generation ist in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Und die kann das.“ Völler nennt Per Mertesacker, Mats Hummels, Thomas Müller, Basti Schweinsteiger, Sami Khedira und auch Philipp Lahm. Alles Leute, die laut Völler intellektuell das Zeug dafür hätten.JAN-CHRISTIAN MÜLLER