KOMMENTAR
Typisch IOC
Winterentscheidungen im Sommer während der Fußball-WM zu treffen, ist ein kluger Schachzug vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Zumindest, wenn man weniger Aufmerksamkeit erzeugen will. Präsidentin Kirsty Coventry dürfte also zufrieden sein. Sie hat dem Aggressor Russland die Tür zur vollständigen Olympia-Rückkehr weiter geöffnet. Auch als Mannschaft dürfen Putin-Teams wieder mitmachen. Die Flagge und die Hymne sind zwar weiter verboten, über die Nutzung russischer Symbole will man aber „zu gegebener Zeit“ entscheiden. Puh. Es ist richtig und gut, dass das IOC völkerverbindend agieren will, aber da Russland im Krieg gegen die Ukraine keine Kompromisse eingeht, verdient es auch im Sport kein Entgegenkommen.
Der zweite – besonders aus deutscher Sicht – diskutable Beschluss betrifft das „NoKo“-Aus. Die Szene reagierte mit dem erwartbaren Aufschrei, doch so tragisch die individuellen Schicksale sind, die Sportart fristet seit vielen Jahren ein Schattendasein und findet weltweit kaum bis keine Beachtung. Selbst im Februar bei den Spielen Val di Fiemme blieben die Tribünen teils zur Hälfte leer. Dass das IOC hier neue Wege geht, muss man ihm zugestehen. Die eingeschlagene Abzweigung in Richtung Moskau hingegen ist ein Schlag ins Gesicht aller Ukrainer, aber typisch für das IOC.