De Bruynes Erben begeistern Belgien
Nachfolger der „Goldenen Generation“ trumpfen auf
Wird er gebraucht? Kevin De Bruyne. © Santiago/AFP
Alles im Griff: Der Belgier Youri Tielemans (r.) geht als Kapitän voran. © Fernandez/dpa
Los Angeles – Rudi Garcia sprach ihn ganz ruhig aus, diesen Satz, der so harmlos klang, aber doch so viel verriet. Was, wurde der Nationaltrainer Belgiens nach dem Achtelfinal-Sieg gegen die USA gefragt, sei denn der Plan mit Kevin De Bruyne gewesen? Dem Anführer, der im wichtigsten Spiel der bisherigen WM 90 Minuten auf der Bank gesessen hatte. „Wir haben Kevin nicht gebraucht“, antwortete Garcia mit ausdrucksloser Miene: „Wir haben Tore geschossen.“
Den wohl größten belgischen Fußballer der Geschichte – „nicht gebraucht“? Was im ersten Moment wie Majestätsbeleidigung klingen mag, war in Wahrheit nur die nüchterne Zusammenfassung eines so bemerkenswerten wie bitter nötigen Wandels. Eines Wandels, den die belgische Nationalmannschaft – zum WM-Start noch gescholten und längst abgeschrieben – gerade im Eilverfahren durchlebt. Und der im WM-Viertelfinale gegen Europameister Spanien den nächsten Meilenstein erreichen könnte.
Über ein Jahrzehnt hat die „Goldene Generation“ des belgischen Fußballs um De Bruyne, Romelu Lukaku oder Thibaut Courtois die hohen Erwartungen geschultert. Die uninspirierten Auftritte zum WM-Auftakt? Ein klares Symptom des schleppenden Umbruchs, hieß es. Doch plötzlich, pünktlich zur K.o.-Phase, scheinen die „Roten Teufel“ die Trendwende zu schaffen. Nicht dank der Altmeister um De Bruyne, sondern dank deren Nachfolger.
Da ist etwa Youri Tielemans, trotz aller Alphatiere Kapitän und mit 29 Jahren fleischgewordene Brücke zwischen den Generationen – im Sechzehntelfinale gegen den Senegal (3:2 n.V.) führte der Dauerläufer dieser WM (insgesamt 61,8 Kilometer) seine Mannschaft per Doppelpack zum Comeback. Da ist Charles De Ketelaere (25), der als Sturmspitze im Achtelfinale gegen die USA doppelt traf. Da sind Linksverteidiger Maxim De Cuyper (25) oder Mittelfeldspieler Nicolas Raskin (25).
Sie alle haben seit Beginn der K.o.-Runde mit starken Leistungen maßgeblich dazu beigetragen, dass sie in Belgien plötzlich doch noch mal vom großen Wurf träumen dürfen – und damit auch die eigenen Erwartungen übertroffen. „Die ‚Goldene Generation‘ hat auch ein paar Jahre gebraucht, um auf ihr höchstes Level zu kommen“, hatte De Cuyper noch vor dem Turnier betont: „Wir sind ein neues Team. Wir brauchen Zeit. Aber wenn wir zusammenbleiben, können wir sehr erfolgreich sein.“ Das sind sie schon jetzt. Allen voran mit ihrer eiskalten Vorstellung im Achtelfinale gegen Co-Gastgeber USA überzeugten die Belgier, wieso also sollte nicht auch am Freitag (21.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) in Los Angeles etwas möglich sein?
„Wir sind eine sehr starke Mannschaft“, sagte Tielemans. Auch dank der Altstars. „Wenn wir die Spieler brauchen, dann machen sie den Unterschied“, so Tielemans. Auch De Bruyne werde bei dieser WM „noch wichtige Spiele machen“. Falls er gebraucht wird.