KOMMENTAR

Mexiko und Kanada waren das WM-Herz

Viertelfinalspiele nur noch in den USA

Als Katar im Dezember 2022 die Weltmeisterschaft ausrichtete, dominierten im Vorfeld Zweifel und Kritik: Wie sollte der kleine Wüstenstaat Millionen von Fans beherbergen? Im Nachgang mussten auch die größten Skeptiker eingestehen: Im Hinblick auf Organisation und Logistik war die WM wegen der kurzen Wege die beste aller Zeiten. Dafür war Stimmung in den katarischen Stadien und Fanzonen quasi nicht vorhanden.

Beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko werden diese Erkenntnisse – mit Abstrichen– auf den Kopf gestellt: Die Reiseplanungen sind wegen der enormen Distanzen absolut irre – und ziehen den Fans das Geld nur so aus den Taschen. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch, insbesondere bei den Partien in den mexikanischen Spielstätten in Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara herrschte an Spieltagen stets Ausnahmezustand. Und selbst im verschlafenen Kanada war in den Metropolen Toronto und Vancouver „Soccer“ unter den Einheimischen omnipräsent – obwohl man sich dort eigentlich nur für Eishockey und Basketball interessiert.

Mit der am Donnerstag gestarteten Viertelfinalrunde sind Mexiko und Kanada jedoch passé, das WM-Geschehen spielt sich ausschließlich in den USA ab. Schade, denn im schillerndsten der drei Ausrichterländer stottert der Stimmungsmotor seit Tag eins. Das zeigt, dass Größe und perfekte Infrastruktur noch keine Fußballbegeisterung erzeugen.

In vielen Millionenstädten wie New York, Dallas, Los Angeles oder Miami bleibt die Stimmung vergleichsweise kühl. Die USA sind der organisatorische Motor der WM, aber Kanada und vor allem Mexiko waren das emotionale Herz.

Es hätte dem Turnier gutgetan, hätte das US-Team den Einzug ins Viertelfinale geschafft. Doch mit dem skandalösen Rote-Karte-Anruf von Präsident Donald Trump bei Fifa-Chef Gianni Infantino hat der Gastgeber auch seine letzten Sympathien eingebüßt.

Montag, 13. Juli 2026
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