Mikel Merino erzielte erneut den Siegtreffer. © Grimm/AFP
Nach 649 Minuten: Simon kassiert ein WM-Gegentor . © Wasson/dpa
Los Angeles – Vor dem Viertelfinale am Freitag stellte sich eigentlich nur die Frage, wie man diese Spanier aufhalten soll: Kein einziges Gegentor hatten sie vor der Partie kassiert, dabei nahezu jeden Gegner dominiert – und auch, wenn sie Belgien durch das 2:1 (1:1) letztlich verdient aus dem Turnier warfen, lieferten die Roten Teufel der Fußballwelt immerhin Antworten darauf, wie man die Elf von Trainer Luis de la Fuente vor Probleme stellen kann.
Denn Belgien verteidigte kompakt und entnervte damit die spanischen Offensivspieler – und sorgte für ein Novum in diesem Turnier. Nach dem spanischen Führungstreffer durch Fabián Ruiz (31. Minute) gelang den Belgiern tatsächlich der zwischenzeitliche Ausgleich: Es war das erste Gegentor Spaniens bei diesem Turnier – und das erste nach 649 WM-Minuten. Dafür nutzten die Belgier ihre erste Torchance konsequent: Rechtsverteidiger Timothy Castagne fand mit seiner Flanke Charles De Ketelaere, der mustergültig einköpfte (41.).
Danach folgte vor den 70.492 Zuschauern in Los Angeles, unter denen sich Megastars wie Brad Pitt, Javier Bardem oder Penelope Cruz befanden, das erwartete Bild: Spanien ließ Ball und Gegner laufen und kam mit schnellen Kombinationen immer wieder zu Chancen. Besonders die agilen Dani Olmo und Lamine Yamal sorgten dabei für Gefahr – doch auch sie konnten sich lange keine hundertprozentigen Torchancen erspielen, weil Belgien im tiefen Block clever verschob und verteidigte.
Nicht umsonst sagte der spanische Verbandspräsident Rafael Louzán noch am Tag vor der Partie im Interview mit unserer Zeitung: „Wir haben großen Respekt vor Belgien, sie sind eine großartige Mannschaft. Aber Spanien befindet sich in einer großartigen Phase.“
Dieses Momentum nutzten die Spanier schließlich in der 88. Minute zum erneut späten K.o.. Nach einem Distanzschuss konnte der für Thibaut Courtois, der unter Tränen das Feld verließ, eingewechselte Torhüter Senne Lammens – wie Kahn im WM-Finale 2002 – nur abklatschen lassen. Mikel Merino (nur zwei Minuten vorher eingewechselt) staubte ab und wurde wie schon beim späten 1:0-Sieg gegen Portugal im Achtelfinale zum Held.
Durch den Sieg blieben die Spanier das 36. Spiel in Folge ungeschlagen und treffen nun im Halbfinale auf Frankreich (21 Uhr, ZDF). Die Belgier verabschieden sich dagegen aus dem Turnier – haben mit ihrem Tor und der starken Defensive aber zumindest gezeigt, wie man Spanien überhaupt vor Probleme stellen kann. Genützt hat ihnen das freilich auch nichts.VINZENT TSCHIRPKE