Partystimmung: Dembélé (Nummer sieben) & Co. träumen nach dem 2:0 gegen Marokko vom WM-Finale. © Weller/dpa
Foxborough – Fast zwei Stunden dauerte es nach der imponierenden Viertelfinal-Show der „unwiderstehlichen“ Franzosen, bis Kylian Mbappé vor die Mikrofone trat. Der Kapitän sprach mit ruhiger Stimme – doch seine Botschaft war unmissverständlich: Der Titel geht auch in diesem Jahr nur über ihn und seine Kollegen.
„Diese Mannschaft ist weder Weltmeister noch Vizeweltmeister. Im Moment ist sie nicht die stärkste“, sagte Mbappé. Und schob dann einen Satz hinterher, den die Konkurrenz vor den entscheiden K.o.-Spielen getrost als Kampfansage verstehen darf: „Es ist die Mannschaft mit dem größten Potenzial.“
Oh, ja. Zu was Les Bleus und ihr überragender Anführer bei dieser WM imstande sind, zeigten sie beim 2:0-Viertelfinalerfolg gegen völlig überforderte Marokkaner eindrucksvoll. Geduldig erspielte sich das Team Chance um Chance und erlaubte sich sogar den Luxus eines verschossenen Mbappé-Elfmeters in der ersten Halbzeit, um per Doppelschlag nach einer Stunde dann doch eiskalt zuzuschlagen. Dem traumhaften Schlenzer von Mbappé aus 16 Metern in den Torwinkel ließ sein kongenialer Sturmpartner Ousmane Dembélé das 2:0 folgen. Selbst vom „Schlag auf die Ferse“ ließ sich Mbappé die Laune nicht verderben. „Es geht mir gut“, sagte er und gab all denjenigen Entwarnung, die angesichts der Fernsehbilder mit Eis auf dem Fuß schon Schlimmeres befürchtet hatten. Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps, der nach der WM nach 14 Jahren aufhört, will sein Land zum dritten WM-Titel nach 1998 und 2018 führen. Im Halbfinale am Dienstag (21 Uhr MESZ) in Dallas gegen Spanien oder Belgien bestreitet er zudem sein 26. WM-Spiel an der Seitenlinie und löst damit Helmut Schön als Rekordtrainer ab. Die internationale Presse huldigte Mbappé und Co. nach dem sechsten Sieg im sechsten Spiel und einer Torausbeute von 16:2. Vor allem offensiv überzeugt Frankreich bislang wie keine zweite Mannschaft. Mbappé schraubte sein WM-Torkonto mit seinem achten Turniertreffer auf 20. Der Torjäger begann nach der nächsten WM-Gala seines Teams schon mal zu träumen. „Wir sind jetzt im Halbfinale, wir sind zuversichtlich“, sagte er, betonte aber auch: „Wir haben noch ein wenig vor uns.“ Angefangen mit dem Semifinale am Dienstag. Ein Endspiel-Hattrick gelang bislang nur Deutschland (1982 bis 1990) und Brasilien (1994 bis 2002).