Fair: Zverev rutschte weg, Sinner half. © Cheung/dpa
Applaus von Bundeskanzler Merz, Mark Precious (Ex-Hockey-Spieler), Prinz William und dessen Sohn George. © Dennis/AFP
Gewohntes Bild: Jannik Sinner gewinnt seinen nächsten Grand Slam, Alexander Zverev muss sich mit dem Trostpreis zufrieden geben. © Nicholls/AFP
London – Alexander Zverev umklammerte seinen silbernen Trostpreis und holte sich den aufmunternden Applaus von Bundeskanzler Friedrich Merz ab. Bei der Siegerehrung mit Prinzessin Kate auf dem „Heiligen Rasen“ von Wimbledon konnte der deutsche Tennisstar trotz aller Enttäuschung schnell wieder lachen. „Ich mag dich irgendwie nicht mehr“, sagte der Hamburger mit einem Augenzwinkern in Richtung seines Angstgegners Jannik Sinner, der Zverevs Traum vom prestigeträchtigsten aller Tennis-Titel hatte platzen lassen.
„Leider hat es nicht geklappt. Herzlichen Glückwunsch an dich, Jannik“, fügte Zverev an, dabei hielt er die Silberschale des Zweitplatzierten in der Hand. „Er hat wieder gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist. Es war schön, den Centre Court mit dir geteilt zu haben. Es ist eine große Ehre, hier zu sein.“
Zverev hat 35 Tage nach seiner Erlösung bei den French Open das nächste Kapitel Tennisgeschichte verpasst. Er verlor in einem spannenden Finale 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6 gegen den neuen und alten Champion Sinner, kassierte seine bereits zehnte Niederlage in Serie gegen den Dominator aus Südtirol – und ließ die Chance aus, sich 35 Jahre nach Michael Stich zum neuen „König“ beim Rasenklassiker zu krönen.
„Auch wenn wir dieses Finale verloren haben: Es waren unglaubliche zwei Monate“, schloss Zverev versöhnlich. Wenige Minuten zuvor war Zverev Sinner am Netz in die Arme gefallen und hatte fair gratuliert. Sinner holte sich dann die Glückwünsche in seiner Box ab, während Zverev mit leerem Blick auf dem Rasen umherschritt – er wirkte dabei auch ein wenig ratlos.
Sinner fand im Anschluss warme Worte für seinen diesmal beinahe ebenbürtigen Kontrahenten. „Du hast ein Ziel erreicht, einen Grand Slam zu gewinnen. Du hast es in Paris geschafft. Aber wenn du so spielst, bin ich mir sicher, dass du auch diesen Titel zu Hause haben wirst. Bleib dran“, sagte Sinner: „Ich weiß, ein weiteres Ziel von dir ist es, die Nummer eins der Welt zu werden. Du bist sehr nah dran. Wir müssen vorsichtig sein.“
Vor den Augen des Bundeskanzlers Merz sowie Kate und Prinz William hätte Zverev als erst dritter Deutscher nach dem dreimaligen Champion Boris Becker und Stich im Londoner Stadtteil SW19 triumphieren können. Doch das sehnsüchtige Warten geht weiter. Geschlechterübergreifend gewann zuletzt Angelique Kerber 2018 den Titel im All England Club.
Nach seinem Befreiungsschlag in Paris war Zverev mit einem neuen Selbstvertrauen und „anderem Gefühl“ nach Wimbledon gereist. Zu dem Grand Slam, bei dem er bislang immer so verzweifelt war und es nie weiter als das Achtelfinale geschafft hatte. Diesmal platzte der Traum erst im Endspiel. Bitter: Für den Deutschen war es allerdings schon die vierte Niederlage im fünften Major-Finale.
Zverev wäre der erste Spieler in der Open Era (seit 1968) gewesen, der nach seinem ersten Titel direkt beim folgenden Grand Slam den zweiten Sieg gefeiert hätte. Der 29-Jährige wäre zudem der 14. Spieler in der langen Geschichte des Sports gewesen, dem innerhalb weniger Wochen der „Ärmelkanal-Slam“ mit dem Titel-Doppelpack in Frankreich und England gelungen wäre. SID