Klopp ja – Red Bull nein?

von Redaktion

Landesverbände sehen geplante Doppelrolle des künftigen Bundestrainers kritisch

„Völliges No-Go“: Auch Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger ist skeptisch. © Imago

Prost, auf gute Zusammenarbeit! Jürgen Klopp, hier als Pappversion für einen Karnevalswagen, wird nicht von allen im DFB mit offenen Armen empfangen. © Eibner/Imago

Klopp-Kritiker: Uwe Döring, Chef des Schleswig-Holsteinischen Verbandes. © IMAGO

Köln – Jürgen Klopp versuchte es gar nicht erst mit Geheimniskrämerei. Schon vor dem Gipfeltreffen mit der DFB-Spitze am New Yorker Flughafen posierte der Wunschkandidat des Verbandes für Selfies, nach den stundenlangen Verhandlungen schrieb er bei Autogrammwünschen bereits schwungvoll seine Unterschrift. Viel fehlt nicht mehr bis zum Vertragsabschluss als neuer Bundestrainer. Doch noch ehe der Deal perfekt ist, regt sich innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes Widerstand.

Informationen des Sportinformationsdienstes (sid) zufolge wären mehrere Präsidenten der DFB-Landesverbände nicht damit einverstanden, dass Klopp trotz seines Wechsels zum DFB weiterhin als Markenbotschafter für Red Bull tätig bleibt. Diese Lösung gilt derzeit als wahrscheinlich, um bei der Auflösung seines bis 2029 laufenden Vertrags als Fußballchef des Red-Bull-Konzerns eine millionenschwere Ablöse zu vermeiden. Der DFB und Klopp verständigten sich in New York bereits auf die „wesentlichen Eckpunkte eines potenziellen Vertrages“.

Für viele Funktionäre ist die geplante Doppelrolle heikel. Sie befürchten eine „zu enge Verzahnung“ zwischen Bundestrainer und Red Bull. Was wäre etwa, wenn Klopp auffällig viele Spieler von RB Leipzig nominiert? Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger bezeichnete ein solches Modell in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ als „völliges No-Go“. Sprecher Thomas Kessen vom Fan-Verband „Unsere Kurve“ sprach von einem „Kniefall vor dem Kapital“.

Uwe Döring äußerte sich ausdrücklich als Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes (SHFV), nicht als Mitglied eines DFB-Gremiums. „Als Fußballfan und Mitglied des FC St. Pauli habe ich Klopps Engagement bei Red Bull nie verstanden, Geld kann es ja eigentlich nicht mehr sein“, sagte Döring. „Aber vielleicht liege ich da auch falsch. Dieser ganze Irrsinn bei Trainergehältern und Abfindungen, die auch bei Nichtleistungen gezahlt werden, stößt mich nur noch ab. Hoffentlich wird die Schraube nicht überdreht, es wenden sich jetzt schon viele ab.“

Auch mehrere andere Landesverbandschefs sehen die Millionenabfindung für den zurückgetretenen Julian Nagelsmann sowie ein kolportiertes Jahresgehalt von mehr als sieben Millionen Euro für Klopp kritisch. Nur weil der DFB – auch dank des ab 2027 geltenden Nike-Vertrags – wieder über deutlich höhere Einnahmen verfüge, müsse er das Geld nicht gleich „rausblasen“, lautet der Tenor. Andererseits gilt der ehemalige BVB- und Liverpool-Coach als die mit Abstand beste Lösung. „Trainer aus dem allerobersten Regal kosten halt viel Geld“, hieß es aus Verbandskreisen.

Das letzte Hindernis vor der Unterschrift bleibt nun die Einigung mit Red Bull. Erst wenn Klopps Vertrag dort aufgelöst ist und die zuständigen DFB-Gremien zustimmen, kann der Wunschtrainer des Verbandes offiziell übernehmen.SID, DPA

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