Freuen sich auf die Three Lions: Messi und Paredes.
Harter Kampf: Messi zog mit Argentinien nach einem 3:1-Sieg nach Verlängerung ins Halbfinale ein. © Coex/AFP
Kansas City – Lionel Messi hüpfte, die euphorischen Anhänger hüpften. Und weil es Tradition hat, sangen sie alle gemeinsam: „Wer nicht hüpft, ist Engländer.“ Im Arrowhead-Stadium dürften wenig Engländer gewesen sein, wenn überhaupt, am Mittwoch (21 Uhr MESZ) aber, da treffen die singenden Argentinier und ihr leidenschaftlich verhasster Rivale nun direkt aufeinander: Halbfinale der WM in Atlanta, der Weltmeister gegen die Three Lions – mehr Emotionen gehen historisch bedingt kaum.
Zunächst aber müssen Messi und seine Argentinier sich erst mal sammeln. Zum dritten Mal in Serie kamen sie in der K.o.-Runde beim 3:1 (1:1) nach Verlängerung gegen die Schweiz nur mit einem blauen Auge davon: 3:2 gegen Kap Verde, Sieg in der Extraschicht durch ein Eigentor (111.). 3:2 gegen Ägypten nach wilder Aufholjagd, Siegtreffer in der Nachspielzeit (90.+2). „Wieder einmal war es Zeit zu leiden, aber diese Mannschaft verliert nie den Glauben. Wir sind wieder unter den Top vier der Welt – auf geht’s, verdammt!“, schrieb Messi bei Instagram nach dem Sieg im Viertelfinale gegen mutige Schweizer, der durch Gelb-Rot für Breel Embolo (siehe Text unten) auch noch begünstigt wurde.
„Wir hatten Glück, denn einer ihrer Spieler hat einen Platzverweis kassiert“, bekannte Trainer Lionel Scolari. Kurz zuvor hatte Dan Ndoye (67.) die Führung durch Alex Mac Allister (10.) ausgeglichen, die Schweiz war am Drücker. Erst nachdem Embolo in der 72. Minute runter musste, kam Argentinien so langsam wieder in Schwung. Julián Álvarez (110.) und Lautaro Martínez (120.+1) sorgten schließlich für die Erlösung.
Dass seine Mannschaft nicht weltmeisterlich spielt, das wusste auch Scaloni. „Wir müssen realistisch sein“, sagte er, „es gibt Dinge, die wir verbessern müssen. Aber was diese Mannschaft erreicht hat, ist historisch, auch wenn wir besser hätten spielen können.“
Zur Weiterentwicklung wäre auch ein Lionel Messi in der Form der ersten fünf Spiele erforderlich. Ein Tor gelang ihm erstmals bei diesem Turnier und nach neun WM-Spielen in Serie nicht. Den Führungstreffer von Mac Allister bereitete er mit einem Eckball vor. Er hat nur zehn Scorerpunkte (acht Tore/zwei Vorlagen). Bis auf ein paar gefährliche Aktionen in der Schlussphase aber blieb er fast wirkungslos. Das Halbfinale gegen England wird nun zur ultimativen Herausforderung. Die Argentinier wühlt noch immer der Falkland-Krieg auf, England das WM-Viertelfinale 1986, das durch die „Hand Gottes“ und ein Super-Solo von Diego Maradona verloren ging (1:2). Nicht zufällig kommt das alles auch im neuen Fan-Song der Argentinier vor: „Für die Malvinas (Anm.: die Falklandinseln), für Diego und für Leos letzten (Titel). Wir gewannen den dritten mit Lionel, jetzt wollen wir wieder Champions werden.“ Es versteht sich von selbst, dass die Argentinier nach dem Sieg gegen die Schweiz den Song so laut in ihrer Kabine grölten, dass er durch die Katakomben dröhnte.