Expertin Kemme (li.) und Wontorra.
Nach dem Viertelfinale bleibt als Fußballfernsehfazit: Magenta ist der beste WM-Sender, irgendwie aber auch der nervigste. Als Wolff Fuss Sonntagfrüh um kurz vor zwei die „norwegische Ruderregatta“ mit der Zielflagge abgewunken hat, war das wieder prächtiger TV-Sport. Dass das halbe Viertelfinale, zwei von vier Spielen, nicht bei ARD und ZDF gelaufen ist, bleibt trotzdem ärgerlich. Aber an die 50-Prozent-WM müssen wir uns gewöhnen. Kleine Fußballfans wissen längst, dass künftig ohne Abo nichts mehr geht. Ihr Nachtgebet klingt so: „Jesukindlein, mach mich fromm, ich will so gern die Telekom.“
Die Hollywood-Engel: Bei Spanien gegen Belgien war der Bundesjürgen verhindert. Kloppo musste parallel in New York aushandeln, wie das Land noch zu retten ist. Stattdessen meldeten sich LA-Laura Wontorra und ihre diensthabende Expertin Tabea Kemme aus Los Angeles. Wir dürfen aus unserer Kem(m)enate vermelden, dass es die beiden Hollywood-Engel erwartungsgemäß erstklassig gemacht haben. Olympiasiegerin Tabea erklärte die „extreme Geschwindigkeit der Spanier in der Rückwärtsbewegung“ und ordnete den WM-Trend zu Weitschüssen kompetent ein. Wie war das noch mal? Fabelhaft fachsimpelnde Fußballfrauen können nicht WM-Spiele moderieren und analysieren? Vergiss es, Waldi!
Der Mini-Kloppo: Per Mertesacker, Analyse-Weltmeister vom ZDF, soll nun auch den deutschen Fußball ein bisschen retten. Unter anderem Uli Hoeneß hat ihn ins Gespräch gebracht, weil „alles, was Per im Fernsehen sagt, Hand und Fuß hat“. Motto: Merte soll ackern! Chris Kramer relativierte listig: „Per, alles, was du sagst, hat Hand – oder Fuß.“ Wunderbar systemkritisch wieder Schwarzwald-Guru Christian Streich, der sich über ständige Einblendungen überflüssiger Promis bei den Übertragungen aufregte: „Da wird immer behauptet, die Leute wolle das sehe. Äch glaube nächt, dass die das sehe wolle, die wolle das Spiel sehe.“ Rächt hat er!
Fußball wie Ali: Bei England – Norwegen lieferten sich die Magenta-Schwergewichte JB Kerner und Mats Hummels vor der New Yorker Wolkenkratzer-Kulisse einen klugen und spaßigen „Rumble in the Hochhaus-Jungle“. Frage an Mats: „Wie verteidigst du’s gegen Haaland?“ Hummels offen und ehrlich: „Ich hab keine Ahnung. Gute Nacht an den Verteidiger, der da mitgehen muss.“ Laut dem 2014er-Weltmeister ist der Norweger eine Art Max Verstappen ohne Auto, mit „eingebautem Überholknopf“ ab Geburt. Zweitbester Hummels-Spruch: „England und Argentinien sind zwei Teams mit ‚So-lala-Fußball‘.“ Die WM-Aussichten gegen Frankreich: So lala gegen Oh là là!
Der VAR-Fuss: Auch Wolff Fuss hatte Geburtsdetails zu Haaland in petto. Übers „Büffel-Duo“ mit Sörloth: „Die sind bei der Herstellung von einem ähnlichen Band gelaufen.“ Der VAR war praktisch im Dauereinsatz, was zu hübschen Dialogen zwischen Fuss und Plauderschiri Patrick Ittrich führte. Fuss: „Bis gleich!“ Ittrich: „Wahrscheinlich!“ Am Ende mussten die Norweger zurückrudern. Abschiedsgruß vom Abschiedsfuss: „Kronprinz Haakon ist auch reif für die Eistonne. Gibt es bestimmt, eine royale, goldene Eistonne.“