KOMMENTAR

128 Mal den Daumen hoch!

von Redaktion

TV-Wirbel um Infantino

Die Buchmacher berechnen die letzten Wettquoten, aber Fußballfans auf der ganzen Welt können sich im WM-Endspurt dieser einen Sache komplett sicher sein: Zwei Halbfinals, ein Finale – das bedeutet: mindestens drei Infantino-Daumen in die laufende Kamera. Eine spontane Handlung natürlich, rein zufällig eingefangen. So zumindest ist die Darstellung der Fifa, die eine vertragliche Vereinbarung mit den Rechteinhabern zur regelmäßigen Einblendung des mächtigsten Mannes im Weltfußball von sich weist. Nein! Die Fifa ist keine One-Man-Show!

Ob das stimmt oder nicht, tut eigentlich wenig zur Sache. Denn während der eine Teil der Fußball-Welt nach bald fünf Wochen WM noch vehementer gegen den Alleinherrscher wütet, feiert ihn der andere Teil sowieso bedingungslos. Moralisten heben die Zeigefinger, Kapitalisten öffnen die Hände, daran wird sich – auch das hat das Turnier gezeigt – nichts ändern. Die Schreie nach einem Sturz Infantinos waren nach dem Fall Balogun kurz laut, sind aber genauso schnell wieder leise geworden. Auch die Bevorteilung Argentiniens oder der Kabeltreffer der Engländer wurden zurückgewiesen. Das Wort der Fifa zählt. Und Reise-Weltmeister Infantino zeigt Spiel für Spiel an: „Alles gut!“

Man sollte die Sache mit den sogenannten „dignitary shots“ im TV, also der Einblendung mindestens eines Würdenträgers pro Halbzeit, ab jetzt anders sehen. Denn dass sie für die breite Masse nicht ganz uninteressant sind, zeigt sich fernab der WM-Tribünen sehr wohl. In der Allianz Arena etwa werden 90 Minuten lang bestimmte Objektive auf Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Co. gerichtet, es gibt Abertausende Aufnahmen von Kate und William, Brad Pitt, Nicole Kidman und Co. in Wimbledon. Und dem Personenkult der Fifa sollte man einfach mit Humor begegnen. Spielidee: ein „Bingo“ bei jedem Infantino-Daumen! Immerhin waren es heuer „nur“ 104 – 2030 könnten es bei einem Turnier mit 64 Teams bis zu 128 sein.

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