Am gestrigen Abend fand in Dallas das Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich statt. Wer aber glaubt, dass die ganze Stadt deshalb im Fußballfieber war, liegt falsch. Die größte Touristenattraktion heißt in Dallas nämlich: texanischer Viehtrieb! Wie im Wilden Westen werden in Fort Worth, knapp 30 Meilen von Dallas entfernt, täglich Longhorn-Rinder durch die Straßen getrieben. Zweimal am Tag ziehen die imposanten Tiere mit ihren meterlangen Hörnern durch die historische Innenstadt, begleitet von Cowboys zu Pferd. Was heute vor allem Touristen begeistert, hat einen historischen Hintergrund: Fort Worth war einst einer der wichtigsten Umschlagsplätze für den texanischen Rinderhandel. Von hier aus wurden die Herden auf ihren tagelangen Märschen Richtung Norden getrieben, wo sie deutlich höhere Preise erzielten. Doch wie blicken die Zuschauer hier auf die kleine Nebenattraktion der Stadt, das Halbfinale einer Fußball-WM? Immerhin sieht man neben Cowboyhüten und -stiefeln – die aktuell ja ohnehin wieder im Trend liegen und auf jedem Festival vertreten sind – auch vereinzelt ein paar Fans in Fußballtrikots. Auf die Frage, wem sie in den Halbfinals die Daumen drücken, fiel die Antwort allerdings ernüchternd aus: „Wann geht es denn los? Wahrscheinlich Deutschland oder den USA.“ Die Trikots haben sie wohl eher als Mode-Accessoire gekauft – und das Interesse am Cowboy-Kult scheint zumindest in Texas größer zu sein als am Fußball.