WM-TAGEBUCH

Der Mann mit der Laptoptasche

von Redaktion

Von: Vinzent Tschirpke

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Flughafen und warte auf meinen Flug nach Dallas, zum Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich. Damit endet meine Zeit in Los Angeles: der Stadt der Engel, Filme und Palmen.

Neben den Hollywood-Produktionen hat die Metropole aber auch literarisch einiges zu bieten. So verbrachte einer meiner Lieblingsautoren, Charles Bukowski, einen Großteil seines Lebens in Los Angeles. Bekannt wurde er unter anderem mit seinem Roman „Der Mann mit der Ledertasche“, in dem er berichtet, wie er als Schreiberling versucht, über die Runden zu kommen. Ein wenig konnte ich mich in Los Angeles in ihn hineinversetzen. Zwar spielt meine Geschichte knapp 50 Jahre später, und im Gegensatz zu Bukowski habe ich kein Alkoholproblem – aber so, wie er sich über neue Technik wie die Anfänge des Computers aufregt, verzweifle ich regelmäßig an WLAN-Hotspots und VPNs. Damals wie heute nerven uns manche Amerikaner mit ihrer oft aufgesetzten Höflichkeit (die eigentlich nur auf Trinkgeld abzielt) und ihrem Spießbürgertum. Und statt über die Pferderennbahn berichte ich vom Fußballplatz.

So verwandelte ich mich in Los Angeles beinahe in einen kleinen Bukowski, der statt auf einer Schreibmaschine auf seinem Laptop tippt. Der Name meines Romans würde dann allerdings lauten: „Der Mann mit der Laptoptasche“. In meinem Fall ist allerdings selbst das nur ein Jutebeutel der Supermarktkette Trader Joe’s.

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