Die Fußball-Zwerge unter den Welt-Riesen

von Redaktion

Warum China & Co. bei der WM keine Rolle spielen

Auch Brasilien wird in Bangladesch unterstützt. © Ahmed/dpa

Farbenfroh: Argentinien-Fans bei einer Kundgebung am Stadtrand von Dhaka, Bangladesch. © Sewel/dpa

New York – Die Bilder von tausenden Argentinien-Fans in Bangladesch gingen um die Welt: Im Trikot von Lionel Messi feierten sie die Auftritte ihres Stars. Ihr eigenes Team? Blieb in ihrer Gruppe der zweiten WM-Quali-Runde sieglos. Sechs Spiele, 1:20 Tore. Trotz fast 180 Millionen Einwohnern, trotz dieser Fußballbegeisterung. Dabei, so Gianni Infantino, müsse doch die ganze Welt von der WM träumen dürfen und „nicht nur Europa und Südamerika“. Deshalb kann sich der Fifa-Boss vorstellen, dass das jetzige XXL-Turnier in vier Jahren weiter aufgestockt wird – auf 64 Teilnehmer-Nationen. Riesige Märkte liegen da noch brach. Denn Bangladesch ist kein Einzelfall: Abgesehen von den USA und Brasilien sind acht der zehn bevölkerungsstärksten Länder der Welt nicht bei der WM dabei. Woran liegt das?

Indien: Im bevölkerungsreichsten Land der Welt ist Cricket Volkssport Nummer eins. Die Erfolge der Nationalmannschaft und die milliardenschwere Indian Premier League binden Talente, Geld und Aufmerksamkeit – zum Nachteil des Fußballs. Doch Indien will aufholen: Eine neue Profi-Liga, die Indian Super League, soll seit ihrem Start 2014 mit Investitionen aus Wirtschaft und der Show-Branche den Fußball professionalisieren.

China: Verpasste wieder einmal die Qualifikation für die WM. In der Fifa-Weltrangliste liegt das Land auf Platz 91. Die letzte WM? 2002 in Südkorea und Japan: Gruppen-Aus mit null Punkten und 0:9 Toren. Staatschef Xi Jinping gilt zwar wie viele Chinesen als fußballbegeistert und gab das Ziel aus, aus seinem Land eine große Fußballnation zu machen. Doch bislang sorgen der chinesische Fußball eher durch Wettbetrügereien und Korruptionsfälle für Schlagzeilen.

Indonesien: Im größten Inselstaat der Welt (280 Millionen Einwohner) ist Fußball die mit Abstand beliebteste Sportart. Die einzige WM-Teilnahme datiert jedoch aus dem Jahr 1938 – damals noch als Niederländisch-Indien. Noch in den 1950er-Jahren zählte Indonesien zu den führenden Fußballnationen Asiens. Nach politischen Umbrüchen folgten Jahrzehnte mit Misswirtschaft, Korruptionsvorwürfen und fehlender Nachwuchsförderung. Doch es geht aufwärts: Der Verband investiert stärker in die Jugendarbeit und kann auch auf in Europa ausgebildete Profis mit indonesischen Wurzeln bauen – darunter Kevin Diks von Borussia Mönchengladbach und Maarten Paes von Ajax Amsterdam.

Bangladesch: Hinter Cricket gilt Fußball in Bangladesch als zweitbeliebteste Sportart der etwa 175 Millionen Einwohner im Land. Einst sei Fußball sogar populärste Sportart gewesen, schreibt die Zeitung „The Asian Age“. Trotzdem hat sich Bangladesch noch nie für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Schwaches Management, zu geringe Investitionen und eine schlechte Infrastruktur für Talente seien die Gründe. Im März spielte immerhin zum ersten Mal eine bangladeschische Mannschaft beim Asian Cup der Frauen.

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