Hat Großes vor: Frankreichs Dembélé. © Weller/dpa
Last-Minute-Held: Merino (li. hinten) schoss seine Spanier gegen Belgien in allerletzter Sekunde ins Halbfinale. © Terrill/dpa
Dallas – Für viele ist es schon das vorweggenommene WM-Finale. Kylian Mbappé gegen Lamine Yamal, französische Offensivpower gegen spanische Kombinationskunst, Vize-Weltmeister gegen Europameister – mehr Fußball-Blockbuster geht nicht.
„Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sie erreichen das dritte WM-Finale in Folge, oder wir schlagen sie zum dritten Mal hintereinander“, sagte Spaniens Jungstar Yamal voller Tatendrang. Am Tag nach seinem 19. Geburtstag würde er Frankreichs Toptorjäger Mbappé zu gern die Show stehlen und bei seiner ersten WM direkt ins Endspiel einziehen. Er habe „absolut keine Angst“, versicherte er.
Mbappé lässt sich von derlei Aussagen nicht verrückt machen, er vertraut vor dem Halbfinal-Showdown am Dienstag in Dallas (21 Uhr/ZDF und MagentaTV) ganz den eigenen Stärken. „Wir haben das größte Potenzial. Ich bin zuversichtlich“, sagte Frankreichs Kapitän. Sein Ziel: Der historische Final-Hattrick mit Les Bleus.
Das „Duell zwischen den Giganten dieses Jahrhunderts“ (L’Équipe) verspricht allerhand. Da sind zum einen die Spanier, die Europameister-Mannschaft, die perfekt geölte Tiki-Taka-Maschine, die seit 36 Spielen nicht mehr verloren und bei dieser WM erst ein Gegentor kassiert hat. Und da sind die Franzosen, die unverwüstliche Offensivmacht, die mit ihrem Luxusangriff „von einem anderen Planeten“ (Gazzetta dello Sport) bei dieser Endrunde schon 16 Tore fabriziert haben – und nun erneut ins Finale einziehen können. Drei WM-Endspiele in Serie hat in der Geschichte bislang nur Brasilien (zwischen 1994 und 2002) erreicht.
„Wir haben schon gezeigt, dass wir gegen sie gewinnen können“, frohlockt allerdings Mittelfeld-Strippenzieher Rodri. Das Vertrauen in die eigene Stärke speist sich bei den Iberern auch aus den jüngsten Erinnerungen. Die beiden letzten Vergleiche gingen an La Roja: 5:4 hieß es im Halbfinale der Nations League des vergangenen Jahres, auf dem Weg zum EM-Triumph 2024 gewannen Yamal (damals 16 Jahre alt) und seine Mitspieler in der Runde der letzten vier mit 2:1.
Nicht zuletzt prallen in Dallas zwei Fußballphilosophien aufeinander. Während Les Bleus im letzten Turnier von Trainerikone Didier Deschamps vor allem auf individuelle Stärke und Pragmatismus setzen, hat Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente bei seinem Team ein perfekt abgestimmtes Tiki-Taka 2.0 implantiert. Wie bei der Weltmeisterelf um den begnadeten Xavi 2010 ist Ballbesitz das Markenzeichen, doch die neue Generation um Yamal und den omnipräsenten Rodri agiert deutlich direkter, vertikaler und aggressiver als noch vor einigen Jahren.
Wer sich am Ende durchsetzt? „Wir haben größten Respekt vor unseren Gegnern, sind aber überzeugt, dass wir jedes Team schlagen können“, sagt de la Fuente. Deschamps: „Wir haben einen unerschütterlichen Glauben an unsere Stärken.“ Na dann: Anpfiff!