TOUR

Raubtier auf zwei Rädern

von Redaktion

Pogacars Daten sind atemberaubend – bei Bora-Red-Bull herrscht weiter Unruhe um die Doppelspitze

Tadej Pogacar, Sieger der 180.4 km-Route von Perigueux nach Bergerac. © Yoan Valat/EPA

Sonnenschutz für den Unantastbaren: Tour-Spitzenreiter Tadej Pogacar. © Elshamy/dpa

Mal wieder ein Solo: Tadej Pogacar auf der sechsten Etappe. © Papon/AFP

Aurillac/München – Thierry Gouvenou steht in der Kritik. Wie konnte der Etappen-Designer die Tour de France nur so zusammenstellen, dass der Sieger schon am sechsten Tag nach der harten Kletterpartie über den Col du Tourmalet (2115m) quasi feststeht? Die Streckenführung sei in Ordnung, verteidigte sich der 57-Jährige, „das Problem ist Pogacar“. Man habe mit deutlich kleineren Abständen gerechnet.

Der Slowene fuhr mit einem unnachahmlichen 43-km-Solo alle Verfolger kurz und klein und hat bereits einen Vorsprung von 2:42 Minuten auf Jonas Vingegaard. In diesem Jahr stand Tadej Pogacar 16-mal an einer Startlinie – elfmal gewann das Radgenie. Fünfmal durch ein Solo (siehe Statistik rechts). Eintagesklassiker, kleine Rundfahrten – nichts ist vor dem Raubtier auf zwei Rädern sicher.

Mit fünf Tour-Siegen würde er zu den Legenden Eddy Merckx (81), Jacques Anquetil (†53), Bernard Hinault (71) und Miguel Indurain (61) aufschließen. „Es ist sogar gut möglich, dass er der Erste wird, der sich einen sechsten Titel sichert“, glaubt Merckx, früher selbst als „Kannibale“ verehrt. Während Armstrong, Ullrich oder Froome oft von ihren starken Teams profitierten, scheint der 27-Jährige über den Dingen zu schweben. Niemand erreicht einen Schwellenwert von 450 Watt (diese Leistung kann Pogacar dauerhaft treten, ohne eine Sauerstoffschuld einzugehen). Als der Dominator seinem Edelhelfer Isaac Del Toro (22) am zweiten Tag den Etappensieg überließ, musste er fast aufhören zu treten, um am Schlussanstieg nicht doch als Erster über die Ziellinie zu fahren.

Auch für Bora-Red-Bull ist Pogacar nicht zu knacken. Zumal die internen Querelen nicht abklingen. Am Sonntag war die umstrittene Doppelspitze Remco Evenepoel und Florian Lipowitz früh auf sich allein gestellt. Der Deutsche (Gesamt-7.) musste für den Olympiasieger (4.) den Wasserträger spielen. Wohl auch eine Reaktion auf die Beschwerde des Belgiers, der sich ein paar Tage zuvor über fehlende Hilfeleistung beklagt hatte und deshalb von Amstrong als „Heulsuse“ abgestempelt wurde.

„Wenn die Flaschen leer sind, muss eben jemand nach hinten“, sagte Lipowitz. Aber dafür gibt es eigentlich Helfer. „Es hat doof ausgeschaut, das haben wir uns anders vorgestellt“, gab selbst Teamchef Ralph Denk zu. Die nächste schwere Kletterpartie wartet am Dienstag nach Le Lioran (166,6 km, 3800 hm).

Und Pogacar? „Unser Hauptziel ist, das Gelbe Trikot zu verteidigen“, kündigte der Spitzenreiter an, „aber manchmal ist Angriff die beste Verteidigung.“ Das nächste Solo kann kommen…MATHIAS MÜLLER

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