Hinter Pogacar bleibt es spannend: Lipowitz (2. v. l.) machte ein paar Sekunden auf Vingegaard (l.) gut. © Etienne/Imago
Handy raus, der Außerirdische kommt: Pogacar zog an, niemand konnte folgen. © Venance/AFP
Seht her, das Gelbe Trikot gehört nur mir! Tadej Pogacar mit dem nächsten Etappensieg. © Elshamy/dpa
Le Lioran – Während der „Außerirdische“ Tadej Pogacar am französischen Nationalfeiertag seine nächste Solo-Show zelebrierte, herrschte bei der machtlosen Konkurrenz Resignation pur. „Es war klar, dass Pogacar die Attacke fährt“, sagte Florian Lipowitz, etwas ausrichten konnte der Ulmer aber trotz aller Erwartung nicht: „An sich waren die Beine supergut, aber für sowas reicht es natürlich nicht.“
Auch am Ort seiner letzten Schwäche demonstrierte der Titelverteidiger seine Macht und beglich eine alte Rechnung. Der Dominator stürmte beim 166 km langen Kletter-Spektakel durch das Zentralmassiv auf der zehnten Etappe nach Le Lioran in gewohnter Solo-Manier zum Sieg und baute seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus.
Nach seiner Attacke am Col de Pertus knapp 15 km vor dem Ziel fuhr Pogacar der Konkurrenz bei Feiertagsstimmung und erneut Temperaturen von über 35 Grad unaufhaltsam davon. Im Ziel klopfte er sich auf die Brust und reckte die Finger in die Höhe. „Ich habe den Tag genossen. Heute ist der Nationalfeiertag, ich wollte das Gelbe Trikot ehren“, sagte der Slowene und ergänzte: „Wir müssen dankbar für die Momente sein. Man weiß nie, wie lange es geht.“
Doch hinter dem Weltmeister ist der Kampf um das Podium neu entfacht, auch weil Vingegaard erneut Schwächen offenbarte. Der Däne musste die Klassement-Konkurrenz auf der Zielgerade ziehen lassen und sich mit Platz sieben begnügen. Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel sprintete auf Rang zwei, 32 Sekunden nach Pogacar. Sein Co-Kapitän Lipowitz verlor zwar das Kopf-an-Kopf-Duell mit Frankreichs Hoffnungsträger Paul Seixas, wurde aber starker Vierter.
Weil auch Pogacars Edelhelfer Isaac del Toro frühzeitig abreißen lassen musste, rückte Evenepoel vom deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe auf Rang drei der Gesamtwertung vor. Der Belgier liegt nur noch 30 Sekunden hinter Vingegaard. Lipowitz ist neuer Sechster, 1:08 Minuten hinter dem zweimaligen Tour-Sieger.
„Wir können sehr zufrieden sein“, sagte Lipowitz in der ARD: „Die Beine und die Form passen. Mit Remco und mir Richtung Podium schaut es gut aus.“ Die Bühne nach dem Ruhetag aber gehörte Pogacar. Der Gigant, der schon am Tourmalet ein 43-km-Solo hingelegt hatte, feierte in der Auvergne seinen dritten Tagessieg bei der diesjährigen Tour.SID