Nicht einig: Neuendorf (re.) und Infantino. © Gambarini/dpa
Schwarz-Rot-Gold – so weit das Auge reicht: Der DFB träumt vom nächsten Sommermärchen. © Gentsch/dpa
Frankfurt – Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und sein Präsident Bernd Neuendorf gehen immer mehr auf Distanz zum umstrittenen FIFA-Boss Gianni Infantino. Neuendorf hat seine Unterschrift unter ein Unterstützerschreiben mit Blick auf die von Infantino angestrebte Wiederwahl beim Kongress des Weltverbandes am 18. März 2027 in Rabat/Marokko verweigert.
„Der DFB hat kein Unterstützungsschreiben für die Wiederwahl von Gianni Infantino unterzeichnet“, teilte der DFB mit: „Weitere Schritte werden im DFB-Präsidium beraten.“ Laut der Bild warb der für Europa zuständige FIFA-Direktor während der WM-Endrunde in Nordamerika bei den 16 europäischen Teilnehmern für die Unterschrift. Der DFB hat seine Position zur Infantino-Wiederwahl bisher offen gelassen.
Die seit langer Zeit schwelenden Differenzen zwischen dem DFB und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auf der einen und der FIFA auf der anderen Seite sind spätestens seit dem „Fall Folarin Balogun“ offen zu Tage getreten. Die UEFA hatte scharf wie selten zuvor das Gebaren der FIFA kritisiert und von der Überschreitung einer „roten Linie“ gesprochen. Neuendorf sagte, dass „dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf“.
Gefährdet der Konfrontationskurs den neuen Sommermärchen-Traum des DFB? Fraglich ist auf jeden Fall, ob die Infrastruktur eines Landes für eine WM überhaupt ausreichen kann. Mittlerweile hat Infantino so oft von möglichen 64 Teilnehmern in der Zukunft gesprochen, dass der Beschluss des Weltverbandes nur eine Frage der Zeit zu sein scheint. Sollte der DFB seine Pläne für eine Ausrichtung der Endrunde 2038 oder 2042 weiter vorantreiben, muss er sie zwangsläufig anpassen.
Die bisherigen Überlegungen des Verbandes hinsichtlich einer dritten Endrunde in Deutschland nach 2006 und 1974 hat Neuendorf kurz vor dem Start der WM in Nordamerika dem Bundesliga-Präsidium vorgestellt. Orientiert haben sich Pläne an den derzeit gültigen Vorgaben der Fifa, die 14 Stadien mit einem Fassungsvermögen von mindestens 40.000 Plätzen verlangen. Demnach wären Berlin, Leipzig, Köln, Hamburg, Hannover, Bremen, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Dortmund, Frankfurt, Kaiserslautern, Mönchengladbach, München und Stuttgart als Austragungsorte vorgesehen.
Mit Blick auf die Regularien ist noch nicht ganz klar, ob 2038 oder erst 2042 infrage kommt. Die Endrunden 2030 (Uruguay, Argentinien, Paraguay, Spanien, Portugal und Marokko) sowie 2034 (Saudi-Arabien) sind bereits vergeben. Gemäß der Fifa-Vorgehensweise bei der Vergabe könnte sich Deutschland wohl erst für die Ausrichtung 2042 bewerben – allerdings handhabt der Weltverband die Auslegung seiner Statuten unter Infantino ziemlich flexibel.
Infantino selbst gilt als großer Unsicherheitsfaktor bei der Bewerbung. Der Schweizer möchte im kommenden Jahr bis 2031 im Amt bestätigt werden. Mit Hilfe des DFB?