Gegen Freudentaumel mit erhobenen Fäusten ist nichts einzuwenden, und ein sportlicher Erzrivale darf nicht nur in der Kreisliga, sondern auch bei einer Weltmeisterschaft mal verspottet werden. Was sich aber Argentiniens energiegeladene Fußballer im Zusammenspiel mit ihren enthemmten Fans geleistet haben, geht gar nicht: Das gewonnene Halbfinale mit einem politischen Plakat mit Bezug auf den Krieg um die Falklandinseln, in Argentinien „Malvinas“ genannt, zu feiern. „Las Malvinas son argentinas“ (Die Malvinas sind argentinisch).
Argentinien und Großbritannien hatten 1982 mehr als 70 Tage lang Krieg um die Inseln im Südatlantik geführt. Auch wenn unter den gefallenen 1000 Soldaten mehrheitlich Argentinier waren, wurde damit zugleich der Anfang vom Ende der Militärdiktatur eingeläutet.
Nationaltrainer Lionel Scaloni hatte extra daran appelliert, kein Öl ins Feuer zu gießen. „Wir erinnern uns daran, aber es ist nicht nötig, darüber zu sprechen.“ Auch der gebildete Fußballlehrer mit vielen Bezügen nach Europa könnte ruhig sagen: Ohne den verlorenen Falklandkrieg wäre die Militärjunta noch länger an der Macht geblieben, die auch während der WM 1978 – beim ersten Titelgewinn Argentiniens – üble Gräueltaten verübte. Insofern wirkte die Jubelfeier in Atlanta verstörend. Der Weltverband Fifa verbietet zudem rund um die WM-Spiele, politische Botschaften zu präsentieren. Die britische Regierung erwartet daher zu Recht von der Fifa nun eine Untersuchung zum brisanten Banner.
Man darf gespannt sein, was herauskommt. Bislang sind die Argentinier, gerade was ihre grenzwertige Gangart auf dem Platz angeht, erstaunlich milde davongekommen. In diesem Fall gibt es eigentlich keinen Ermessensspielraum. Von einer Bestrafung ist trotzdem nicht zwangsläufig auszugehen. Dafür sind leider auch die Rechtsorgane des Weltverbands zu beeinflussbar, wie der traurige Fall Folarin Balogun gezeigt hat.