Nimmt sich nicht wichtig: Luis de la Fuente. © kyodo/dpa
Der Trainer und sein Star: de la Fuente und Yamal. © Landis/dpa
New York – Wer Luis de la Fuente verstehen will, der muss ihm nur genauer zuhören. Auf die Zwischentöne achten. Ob er betet, wurde Spaniens Nationaltrainer dieser Tage gefragt. „Jeden Tag“, antwortete er, „jeden Tag bete ich und danke für das Leben. Ich bitte aber nicht um Hilfe. Das wäre unfair.“
De la Fuente beansprucht keine Unterstützung von oben, schon gar nicht für so profane Dinge wie den Fußball. Für das große Finale am Sonntag (21 Uhr/ZDF und MagentaTV) gegen Argentinien sieht er viel mehr sich und seine Mannschaft in der „großen Verantwortung, die wir für das ganze Land haben. Das ist etwas ganz Besonderes für uns.“
Besonders ist auch de la Fuente, das Mastermind hinter Spaniens WM-Höhenflug. In der Glitzerwelt des Profisports kommt der Mann aus dem 12.000-Seelen-Örtchen Haro in der nordspanischen Provinz La Rioja wie ein Außerirdischer daher. Der 65-Jährige, für viele noch immer „Mr. Unbekannt“ (NTV), bringt kein Star-Gehabe mit, er arbeitete nie bei einem Champions-League-Club und drischt auch keine Phrasen. Seine Interviews drehen sich fast immer um Werte wie Demut, Zusammenhalt, Vertrauen und gegenseitigen Respekt.
Wie de la Fuente spricht, spielt auch seine Mannschaft: unaufgeregt und seriös. Seit der langjährige Nachwuchstrainer die spanische A-Mannschaft nach der enttäuschenden WM 2022 übernahm, geht es steil bergauf. Technik und Taktik allein, so seine Auffassung, reichen nicht: „Teamwork ist der Schlüssel.“ Seine Spieler kennen und schätzen ihren „Mister“ seit Jahren als Trainer, Ratgeber und ja, auch als eine Art Vaterfigur. Einige wie Strippenzieher Rodri gingen mit de la Fuente gemeinsam den Weg von Spaniens U19 über die U21 bis zum A-Team. Seit de la Fuentes Amtsantritt eilt die Mannschaft von Erfolg zu Erfolg. Auf Anhieb gewann die Selección 2023 die Nations League, wurde im Jahr darauf Europameister und ist nun seit 37 Spielen ungeschlagen. Im Finale kann Spanien nun sogar den Rekord Italiens (ebenfalls 37 Spiele, 2018 bis 2021) knacken.
Wie bei der Weltmeisterelf 2010 ist unter de la Fuente Ballbesitz das Markenzeichen des spanischen Spiels. Dabei agiert das aktuelle Team um Jungstar Lamine Yamal, der am Donnerstag aufgrund einer Oberschenkelblessur aus dem Halbfinale nur individuell trainierte. Dabei handle es sich aber laut „Marca“ lediglich um eine Vorsichtsmaßnahme.