Testlauf für Olympia?

von Redaktion

Slalomkanuten fahren in umstrittenem Kanal um WM-Medaillen

Die deutsche Hoffnung für 2028: Ricarda Funk holte bereits in Tokio Gold. © Woitas/dpa

Frankfurt am Main – Ricarda Funk gönnte sich vor ihrer großen Medaillen-Mission ein lokales Souvenir. Beim Shopping in Oklahoma City überkam sie der Geist des Wilden Westens, wenige Tage vor WM-Start leistete sich die deutsche Kanu-Hoffnung ein Paar neue beige Cowboystiefel. Mit bester Laune richtete sich ihr Blick anschließend aufs Sportliche.

Kein Wunder, gut 2000 Kilometer entfernt von Los Angeles startet nämlich nicht nur der Kampf um die Quotenplätze für die Sommerspiele, in zwei Jahren werden dort mit Blick auf die Skyline Oklahomas auch die Olympia-Wettkämpfe ausgetragen. Der Wildwasserkanal in der historischen Prärieregion des Wilden Westens sei „sehr herausfordernd“, sagte Funk in einer Presserunde: „Vor allem, da das Wasser an einigen Stellen sehr wechselhaft ist. Besonders im unteren Streckenabschnitt ändert sich die Wellenstruktur enorm.“

Doch Klarheit haben die Athletinnen und Athleten knapp zwei Jahre vor Beginn der Sommerspiele nicht, vielleicht könnte der WM-Kanal letztlich doch nicht die Olympia-Strecke sein. „Es gibt das Gerücht, dass die Olympischen Spiele auf dem jetzt nur für Freizeitzwecke benutzten rechten Kanal stattfinden sollen“, erzählte Bundestrainer Thomas Apel. Die Logistik der kleinen Insel der WM-Strecke sei nicht ausgelegt für die Dimensionen bei Olympia, Fluchtwege sind beispielsweise rar.

Deshalb gehe er davon aus, dass die Medaillen bei den Sommerspielen auf dem nebenan gelegenen und derzeit noch im Umbau befindlichen Freizeitkanal vergeben werden. „Das schmälert natürlich die sportliche Erkenntnis, die wir von dieser WM für Olympia mitnehmen können“, so Apel. Dennoch gilt es bei den am Montag beginnenden Titelkämpfen Werbung in eigener Sache zu betreiben, denn auch die Slalomkanuten haben es im Kampf um ihren Olympia-Status längst schwer.

Nicht zuletzt deshalb wurde in den vergangenen Jahren bereits die neue Disziplin Kajak-Cross entwickelt, in der direkte Duelle für spektakuläre Bilder sorgen. „Es ist unvorhersehbar, wenn man da zu viert auf dieser Rampe steht“, sagte Funk, die mit dem bereits in Paris 2024 olympischen Wettbewerb immer noch ein bisschen fremdelt: „Am Start ist man sich gerade unsicher, ob man nicht woanders sein möchte.“

Größere Podestchancen als im Cross hat die 34-Jährige definitiv im klassischen Einzel-Wettbewerb, in dem sie in Tokio Olympiasiegerin und zudem bereits zweimal Weltmeisterin wurde. Das WM-Finale im Kajak-Einer findet am 24. Juli statt – und vielleicht packt Funk für eine mögliche Medaillen-Party anschließend sogar ihre neuen beigen Cowboystiefel aus.SID

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