2023 endete die 20. Etappe auf Le Markstein: Es gewann – natürlich – Tadej Pogacar (r.). © Garnier/Imago
Wer wird nach dem Wochenende vorne sein? Bislang liegt Evenepoel (r.) noch vor Lipowitz. © Red Bull Content Pool
Le Markstein – Seinen Namen dürfte Florian Lipowitz deutlich häufiger auf dem Asphalt lesen, und am Straßenrand werden sicher einige Deutschland-Fahnen zu sehen sein. Wenn bei der Tour de France am Wochenende der Kampf um die Top-Platzierungen in die nächste Runde geht, darf sich der Vorjahres-Dritte Lipowitz auf ein kleines Heimspiel freuen. Es geht in die Vogesen. Das Ziel der 13. Etappe in Belfort am Freitag lag keine 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, noch näher ist es am Samstag zum Startort in Mulhouse.
„Ich freue mich auf all die deutschen Fans, die am Wochenende hoffentlich an der Strecke stehen werden“, sagte Routinier John Degenkolb. Auch Sprinter Max Kanter freut sich „definitiv“ auf sie: „Die Zuschauer machen die Atmosphäre bei der Tour besonders.“
Und Lipowitz hat beste Chancen, den dritten Gesamtrang von Paris zu wiederholen. Oder geht vielleicht noch mehr? Zwischen Platz zwei und sechs scheint alles möglich, nur das Gelbe Trikot von Tadej Pogacar ist für alle im Peloton außer Reichweite. „Richtung Podium schaut es gut aus für uns. Natürlich kommen die richtig harten Etappen noch, aber wir können zuversichtlich sein“, sagt Lipowitz, der aktuell mit 4:44 Minuten Rückstand Sechster ist. Bis zum zweitplatzierten Dänen Jonas Vingegaard sind es aber nur 68 Sekunden.
Doch zunächst ist da noch ein anderer Rückstand, der entscheidend ist. 38 Sekunden fehlen auf Teamkollegen Remco Evenepoel. Das kann sich in den Vogesen schnell ändern. Denn es stehen einige Kletter-Herausforderungen an. Der Ballon d‘Alsace, ein Berg der ersten Kategorie, dient heute als Warm-up. Morgen warten dann auf dem Weg von Mulhouse nach Le Markstein drei Berge der ersten und einer der zweiten Kategorie. Anstiege, die Lipowitz deutlich besser liegen als Evenepoel. Die Strategie von Red Bull-BORA-hansgrohe, mit zwei gleichberechtigten Kapitänen in die Tour zu starten, stand gleich mehrmals auf der Probe. Auf der 10. Etappe distanzierte Lipowitz Evenepoel, musste aber auf Anweisung der Teamleitung Tempo rausnehmen und warten. Nach der 6. Etappe hatte der Belgier sich über fehlende Hilfe des Deutschen beschwert.
Mit solchen Spielchen und taktischen Verwirrungen muss es vor den beiden harten Etappen am Wochenende vorbei sein. Vieles deutet darauf hin, dass die Kapitänsfrage am Sonntagabend endgültig geklärt sein wird. Zugunsten des besseren Kletterers Lipowitz.
In den Genuss eines gefühlten Heimspiels war 1997 auch Jan Ullrich gekommen, als er im Gelben Trikot in den Vogesen unterwegs war und kurz darauf auch den ersten deutschen Toursieg vollendete. Acht Jahre später holte sich Jens Voigt in Mulhouse für einen Tag das Gelbe Trikot, und 2014 feierte Tony Martin an gleicher Stelle einen seiner fünf Etappensiege nach einer beeindruckenden Solofahrt – ein gutes Terrain also für deutsche Radprofis.