Dem Superstar an den Fersen: Agyekum (li.) im Duell mit dem Norweger Warholm. © Habib/dpa
London – Den großen Moment für die deutsche Leichtathletik sah Emil Agyekum etwas aus dem Abseits. Fast ehrfürchtig sah er dem jubelnden Karsten Warholm zu. Der Berliner Hürdenläufer war im Londoner Olympiastadion klar hinter Norwegens Weltrekordler als Zweiter ins Ziel gekommen und freute sich trotzdem über eine historische Wachablösung: 49 Jahre lang hatte der deutsche Rekord Harald Schmid gehört, nun gehört er Agyekum.
„Es war ein wundervolles Rennen, in das ich alles reingelegt habe. Und jetzt bin ich wirklich glücklich“, sagte der 27-Jährige, der am Samstag in 47,45 Sekunden drei Hundertstel unter Schmids letztgültiger Bestmarke geblieben war: „Ich denke, das war einfach dieses Stadion und die Konkurrenz. Das pusht einfach extrem. Mit der Weltspitze in einem Lauf zu sein und dann in einem so riesigen Stadion, das ist krass“, sagte er.
Drei Wochen vor der EM in Birmingham (10. bis 16. August) schickte Agyekum ein beeindruckendes Signal. Eines, das sich angekündigt hatte: Konsequent hatte er sich der 400-m-Hürden-Bestmarke des großen Gelnhauseners Schmid angenähert, der sich erstmals am 2. September 1977 den deutschen Rekord gesichert und bis Samstag nicht abgegeben hatte. Fünf Tage zuvor war Agyekum in Budapest schon bis auf eine Zehntel an jene 47,48 Sekunden herangelaufen, die Schmid zweimal – EM 1982 und WM 1987 – erreicht hatte.
In der mit 60.000 Zuschauern ausverkauften Arena reichte es nun im Sog von Warholm. Der schnellste Hürdenrundenläufer der Geschichte, dessen Weltrekord bei 45,94 Sekunden steht und der in London in 46,61 siegte, spielt noch in einer anderen Liga. „Es hat mich sehr beruhigt, dass Warholm nicht an der ersten Hürde neben mir war“, sagte Agyekum. SID/DPA