Neustart geglückt: Im e.V.-Shirt verfolgte Präsi Gernot Mang den 5:1-Sieg von 1860 II gegen Geretsried. © ulk
Blickfang: Promi-Rückkehrer Florian Niederlechner beim Test in Aindling, den 1860 mit 3:1 gewann. © IMAGO
Biero 2.0: Alper Kayabunar unterschrieb im Beisein von Mang einen Trainervertrag bei der GmbH des e.V. © 1860
München – Es war ein Freitagabend, wie ihn Löwen-Fans lieben. Rund 300 Zuschauer säumten den „Fünfer“-Platz an der Grünwalder Straße, sahen eine engagierte Mannschaft, fünf verschiedene Torschützen und einen souveränen 5:1-Auftaktsieg gegen den TuS Geretsried. Endlich wieder Fußball!
Nach ausgeglichener erster Halbzeit drehten die Gastgeber auf, selbst ein Regenschauer konnte der guten Stimmung nichts anhaben. In der Pause gab es Currywurst und Bier – dazu reichlich Gesprächsstoff nach Wochen der Neuordnung. Ungewohnt waren die blütenweißen Trikots ohne Sponsor und das neue Wappen der Fußball-Abteilung auf der Brust – der Löwe im Achteck ist ein Opfer des Markenstreits mit Hasan Ismaik. Das Projekt Neustart erhielt trotzdem kräftigen Rückenwind. Endlich rückten die politischen Dauerbaustellen für 90 Minuten in den Hintergrund. Die Löwen haben wieder eine Mannschaft. Die Betonung liegt auf: eine.
Genau darin liegt die nächste Herausforderung. Am Freitag spielte sie in der Bayernliga gegen Geretsried, am Sonntag testete sie als Regionalligateam beim TSV Aindling, am Dienstag (18.30 Uhr/DF1) soll sie im Totopokal bei Eintracht Berglern erstmals ein Pflichtspiel bestreiten. Noch bedienen sich Bayernliga- und Regionalligateam aus demselben rund 30-köpfigen Kader, an der Seitenlinie steht jedes Mal Alper Kayabunar. Der loyale Münchner, ein „Biero 2.0“, trägt die Hauptlast des sportlichen Neustarts – und unterschrieb nun endlich auch einen Vertrag (bis 2028). Ebenso Co-Trainer Vincent Saller. Dauerhaft wird dieses Zwei-in-eins-Modell jedoch kaum funktionieren. Spätestens am Freitag, 7. August, droht die erste Terminkollision: Die U 21 gastiert um 18.30 Uhr beim FSV Pfaffenhofen, eine halbe Stunde später empfängt das Regionalligateam den FC Augsburg II zum ersten Heimspiel.
Dass immer mehr Fans optimistisch nach vorne blicken, liegt an den Fortschritten der vergangenen Woche. Florian Niederlechner, der am Samstag erstmals unter Kayabunar trainierte, ist bereits der siebte Spieler mit Vertrag bei der neuen Spielbetriebs-GmbH des e.V. Die übrigen Akteure werden über den am Donnerstag geschlossenen Servicevertrag von Insolvenzverwalter Max Liebig gemietet – ein Konstrukt, das sich der e.V. nach unseren Infos einen sechsstelligen Betrag kosten lässt. Monatlich!
Trotz Provisorien bei Kader, Trainerstab und Trikots macht sich Aufbruchstimmung breit. Juristische Gegenwehr von Hasan Ismaik und dessen Anwalt Peter Gauweiler blieb bislang zumindest öffentlich aus. Auch auf der Geschäftsstelle dürfte das Aufatmen groß sein: Das Insolvenzgeld sichert den Betrieb zunächst bis Ende August.
Bis dahin ist Improvisation angesagt. Beim Kader, beim Trainerteam, selbst bei den Trikots. Entscheidend ist jedoch, dass im Schatten der politischen Neuordnung sportlich gute Arbeit geleistet wird. Die Kayabunar-Löwen gewinnen ein Spiel nach dem anderen, sogar mühsame wie in Aindling. Was bei Tests und in der Bayernliga klappt, muss jetzt nur noch auf die Regionalliga übertragen werden.ULI KELLNER